Wahrheiten zur neuen Wirtschaft, NewWork und Vierpunktnull

Die neue Ausprägung der neuen Wirtschaft ist unter dem Titel NewWork in aller Munde. Aber was bedeutet NewWork? Hoch gelobt, als Revolution ausgewiesen und als Synonym für die vollkommene Veränderung der Arbeitswelt angesehen. Aber ist das die ganze Wahrheit? Oder geht die Diskussion am Kern der Sache vorbei?

Schauen wir gemeinsam genauer hin und finden heraus, was Wahrheit und Realität und was Wunschdenken und Unsinn ist.

Lesezeit ca. 7 Minuten

In Wahrheit ist die Beschreibung der neuen Wirtschaft nur eine vorsichtige Annäherung

Was heute als NewWork bezeichnet wird, ist auch unter den Stichworten Arbeit 4.0, Industrie 4.0 und vierte industrielle Welle bekannt. Michael Weyl, der Coach aus Braunschweig, befasst sich bereits längere Zeit mit dieser Entwicklung. In Projekten bei klein- und mittelständischen Unternehmen ist er mit der „Einführung“ befasst, obwohl es im Grunde nichts einzuführen gibt.

Was ich als Arbeit 4.0 bezeichne, ist wohl besser unter dem Begriff NewWork zusammenzufassen. Es geht nicht um das Integrieren von neuer Technik, sondern um die Implementierung einer neuen Gesellschaftsstruktur in die Unternehmen. Dabei spielt selbstverständlich auch Technik eine große Rolle, ist aber nur eine der Triebfedern. Es geht viel weiter und umfasst die gesamte Wertschöpfungskette bis hin zur Nachhaltigkeit und dem Selbstverständnis von Mitarbeitern und Kunden.

Bezeichnend für NewWork und alle sich daraus ergebenden Veränderungen ist, dass wir uns bereits mitten in dieser Entwicklung befinden. Und dabei können wir noch nicht abschätzen, wie weit das alles gehen wird. Somit ist es nahezu unmöglich, die komplette Wahrheit über die Richtung und die Ausprägung der vierten industriellen Welle festzustellen.

NewWork und neue Wirtschaft sind eineiige Zwillinge, die sich aber getrennt weiterentwickeln. Das eine ist des anderen Ursprung und ohne den einen hat der andere keine Grundlage. Dabei bilden sich im Thema NewWork eigene Fakten heraus, beim Thema der neuen Wirtschaft sind es andere. Das ist der Grund, warum es nicht die eindeutige Wahrheit des aktuellen Wandlungsprozesses gibt, sondern mehrere Wahrheiten. Und es ist auch der Grund, warum Unternehmen heute vor einer gewaltigen Aufgabe stehen. Aber nicht nur Unternehmen, sondern die gesamte Gesellschaft, die gesamte Bevölkerung. Global, nicht national.

Betrachtungen vom Vordenker des NewWork, Mark Poppenborg

Mark Poppenborg gehört zu den aktivsten Vordenkern in Sachen NewWork. Er ist Kopf des Netzwerkes intrinsify.me, das Orientierung für die neue Wirtschaft bringen möchte. In seinem Blog-Artikel 12 Thesen für die Arbeit an und in der Neuen Wirtschaft geht er näher auf die Inhalte von NewWork ein. Hier geht es zum Original-Text: https://intrinsify.me/was-du-schon-immer-ueber-unsere-wirtschaft-wissen-wolltest/

Ich finde diese Thesen sehr inspirierend. Nachfolgend möchte ich in meinem Blog-Artikel aufzeigen, zu welchen Schlüssen ich durch meine Projektarbeit gekommen bin.

Ich zitiere Mark Poppenborg:

Was ist die Neue Wirtschaft?

Die Neue Wirtschaft ist nicht wirklich eine neue, im Sinne einer anderen Wirtschaft. Wir befinden uns immer noch im gleichen System. Ein System, das sich jedoch dramatisch geändert hat.

Von trägen zu dynamischen Märkten. Von der Norm zur Ausnahme. Mehr Varianten, anspruchsvollere Kunden, gestiegene Imagebedeutung, mehr Wettbewerb, politische Unzuverlässigkeit, wechselhaftere Mitarbeiter, neue Technologien, neue Führungsansprüche, verändertes Ausbildungsniveau – kurz um: eine Wirtschaft, die anders aussieht als jene vor 20 Jahren. Deshalb: die NEUE Wirtschaft.

Wer durch die Brille der Neuen Wirtschaft beobachtet, ist an den Gesamtzusammenhängen interessiert, die sich durch Politik, Gesellschaft, Erziehung, Recht, Wissenschaft, Gesundheitssystem und eben der Wirtschaft ergeben.

Meine Gedanken zu NewWork und der Neuen Wirtschaft

Die „neue Wirtschaft“ ist die „alte Wirtschaft“. Da wird kein Plugin eingespielt, kein Release-Wechsel vorgenommen und kein Update gemacht. Äußerlich und innerlich bleibt alles beim Alten. Und doch ist das, was da jetzt kommt, vergleichbar mit der Einführung der Dampfmaschine. Nur mit dem Unterschied, dass die Dampfmaschine durch die Unternehmer in ihre Betriebe hineingeholt und den Mitarbeitern zur Bedienung übergeben wurde. Jetzt ist es anders herum. Die Mitarbeiter bringen das Neue ins Unternehmen. Aber nicht weil sie es in den Betrieb integrieren möchten, sondern weil es da ist und von ihnen und allen anderen Menschen aus deren Umfeld bedient und genutzt wird. Das ist die erste Erkenntnis zur Neuen Wirtschaft. Das klingt noch nicht besonders aufregend, aber es ist der Vorbote einer gewaltigen Revolution.

Weil „alle Welt“ mit diesem Neuen umgeht, wollen Kunden und Mitarbeiter eines Unternehmens dieses Neue integrieren. Aber hier wird kein Antrag auf die Einführung des Neuen gestellt, sondern es entsteht Unverständnis, wenn das Neue nicht integriert ist. Bei Mitarbeitern und bei Kunden! Aber was ist das Neue? Auf jeden Fall kein neuer Telefonapparat, keine neue Kommunikationseinrichtung, keine neue Briefpost! Durchgängige Digitalisierung ist eines der Schlagworte. Was soll das sein? Es sind mehrere Kommunikationskanäle! Gleichzeitig sind es mehrere Präsentationskanäle! Und sie reagieren anders. Einige bidirektional, andere nur in eine Richtung, wieder andere wechseln von einem Dienst auf einen anderen. Aber es werden keine alten Kanäle ersetzt, sondern zusätzliche geschaffen.

Wenn man in der Vergangenheit sagen konnte, dass man „nicht jedem Trend hinterherläuft“, hat sich die Situation jetzt komplett verändert. Besonders Unternehmen haben nun die Pflicht, ihre Kommunikation und Präsentation zu öffnen. Hier ist es nicht die Frage, ob man bei Facebook, Twitter oder Instagram aktiv ist, sondern ob Interaktion dort möglich ist, wo sich die Interaktionspartner befinden. Und dabei ist wichtig, dass diese Interaktion alle Teile eines Unternehmens berühren kann. Dies kann zum Beispiel Bestellwesen, Bewerbungen, Produktentwicklung und einige andere Bereiche umfassen. Wichtig ist, dass keine speziellen Kanäle für die eine oder andere Nutzung gewählt werden, sondern dass hier alles möglich ist. Und das alles in einem sich schnell verändernden Umfeld. Kein heute bekannter Dienst bietet die Garantie, dass die relevanten Interaktionspartner langfristig dort aktiv sind. Neue Wirtschaft bedeutet, ständig bereit zum Wandel zu sein. Kein Handelnder kann sich „erlauben“, nicht aktiv zu sein. Warum ist das so?

Wer macht, macht nichts richtig und nichts falsch

Neu an der Neuen Wirtschaft ist, dass sie viele Facetten aufweist. Aber kein Unternehmen wird in gleichbleibender Qualität alle Facetten zur gleiche Zeit bedienen können. Auch die Mitarbeiter nicht. Egal wie viel Wissen über das Neue ins Unternehmen getragen wird. Deshalb ist Konzentration angesagt. Konzentration auf des Wesentliche. Und jeder Unternehmer kann das Wesentliche herausfiltern, wenn er auf seine Mitarbeiter hört. Das ist ein Teil des NewWork. Kommunizieren und filtern.

Was Kunden erwarten, bringen jetzt Mitarbeiter als Möglichkeit mit – durch ihr erworbenes Wissen über das Neue verändern sie das Unternehmen. Aber einen Qualitätsmaßstab im herkömmlichen Sinn gibt es nicht mehr. Es geht nicht um das „richtig machen“, sondern um das machen. Richtig oder nicht richtig ergibt sich durch den Response der Kunden. Allerdings nicht auf kurze, sondern auf längere Sicht. Nachhaltigkeit rückt immer weiter ins Zentrum und sichert die Existenz. Nicht die Anerkennung der perfekten Einzellösung, sondern die größtmögliche Öffnung und Interaktionsbereitschaft zeichnen sich als die Schlüssel der Zukunft ab. Den Schlüssel zur Zukunft zu finden, mutet wie das Finden des heiligen Grals an. Aber es ergeben sich neue Herausforderungen und Probleme.

Auch wenn sich Nachhaltigkeit als zentrale Anforderung darstellt, ist schnelles Reagieren auf Entwicklungen und Veränderungen unersetzlich. Eine Wahrheit der neuen Wirtschaft ist, dass sie auf permanenten Wandel ausgerichtet ist. Was in Prozessbeschreibungen der ISO 9000 das dritte Audit überstanden hat, ist ein Relikt der Vergangenheit und passt nicht mehr zur neuen Wirtschaft.

In einem von Waren und Dienstleistungen überfüllten Markt wird nur der Schnelle, Wendige und Flexible die erste Nachfrage decken. Damit hat er gegenüber seinem Wettbewerb einen erheblichen Vorteil errungen, weil er ein Marktsegment zuerst unter neuen Bedingungen bearbeitet. Daraus entstehen Erfahrungen, die intern (also im Unternehmen) und extern (also beim Kunden) geldwerte Vorteile bringen. Erste Erfahrungen haben dabei die höchste Relevanz. Nähere Informationen hierzu gibt es im Blog-Artikel über Erfahrungen.

Mehr Informationen

Zum Themenbereich Arbeit 4.0, neuen Wirtschaft, NewWork, vierte industrielle Welle und Industrie 4.0 sind bereits weitere Artikel erschienen.
Besonders zu empfehlen ist der auf neuesten Stand gebrachte Blog-Artikel “NewWork braucht neue Denkmuster”.

Für weitere Informationen sprechen Sie mich direkt an, über Facebook Messanger oder E-Mail.

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Geboren 1959, Führungkraft seit 1984, Unternehmer seit 2000. Erfolgsverwöhnt und immer in der ersten Reihe, bis ihn 2015 ein Schlaganfall zum Anhalten und Rückbesinnen zwang. Stress, Burnout, keine Balance im Leben. Nach dem Schlaganfall hatte sich sein Leben verändert. Anfängliches Interesse und Ursachenforschung ging in Weiterbildung über. Erkenntnis: Work-Life-Balance richtig angewendet ist nicht nur eine Worthülse.

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