Der Supergau der Work-Life-Balance 4.0

Supergau? Was hat das mit Work-Life-Balance zu tun?
Ist Vierpunktnull der Grund für den Supergau?

Supergau ist …

… wenn alle Schutzmechanismen versagen. Das Wörterbuch gibt sich an dieser Stelle karg. Von Störfall und Katastrophe ist die Rede. Daraus ergibt sich zunächst keine Beziehung zur Work-Life-Balance. Aber sie ist da und näher, als man glauben möchte.

Wenn die Schutzmechanismen versagen

Ein Supergau in einem Atomreaktor ist eine Kernschmelze. Darüber sind wir informiert. Über Störfälle in unserem Leben sind wir weniger gut informiert. Dennoch kommen sie häufig vor. Viele haben ihren Ursprung in der aus der Spur geratenen Work-Life-Balance.

Beim Stichwort Supergau kommen wir schnell zum Begriff Auslegungsfehler. Dieses Wort hat einen technischen Ursprung. Jedes System wird auf eine Maximallast ausgelegt. Wird die maximale Belastung überschritten, weisen Schutzmechanismen auf den Missstand hin. Warnsignale. Wenn schnell für eine Entlastung gesorgt wird, ist alles in Ordnung. Wenn nicht, kommt es zum Versagen, Zusammenbruch, zur Katastrophe. Das Überschreiten der Maximallast führt zum maximalen Störfall. Supergau. Zerstörung, totaler Ausfall.

Nicht nur bei technischen Anlagen ist dies der Fall. Auch Menschen werden durch Überbelastung zerstört. Supergau. Neben der plötzliche Überlast gibt es die Dauerüberlastung. Ein schleichender Prozess, aber genau so gefährlich. Das Wort Auslegungsfehler wird im Fall des Zusammenbruchs durch Dauerlast noch viel klarer. Technisch kann durch Verstärkungen dagegen angegangen werden. Beim Mensch heißt dies Verstärkung Work-Life-Balance.

Maximaler Störfall Vierpunktnull

Es ist kein Geheimnis, die vierte industrielle Welle rollt. Vierpunktnull gibt den Takt für den neuen Pulsschlag des Lebens vor. Arbeit 4.0, Industrie 4.0, verändern das Belastungsprofil eines jeden von uns. Was technisch zumutbar erscheint, kann jedoch den Punkt der maximalen Belastungen eines Menschen überschreiten. Hierbei fällt besonders ins Gewicht, dass jeder Mensch eine andere Belastungsgrenze hat. Jeder pflegt andere Schutzmechanismen. Maximallast ist eine höchst individuelle Angelegenheit. Um dem Supergau zu entgehen, ist jeder in der Verantwortung, seine maximale Belastung neu zu berechnen.

Vierpunktnull ist mehr als ein Streckenmarkierung

Ohne es zu bemerken, sind wir alle bereits heute schon im Vierpunktnull angekommen. Es ist keine Markierung auf unserem Lebensweg, sondern eine Bezeichnung für einen Bündel von Umständen, die unser Leben nachhaltig steuern werden. Dazu gehören Flexibilisierung von Arbeitsort und Arbeitszeit, Globalisierung von Arbeitsgruppen und Verkürzung von Entscheidungszyklen. Dies alles zieht ständige Erreichbarkeit zwingend nach sich. Aber nicht erst in Viernull! Nach einer TK-Studie (Studie der Techniker Kasse) aus dem Jahr 2016, leiden 28% des Bevölkerung unter der ständigen Erreichbarkeit. Bereinigt um Kinder und Rentner bedeutet das, nahezu jeder Dritte spürt die zunehmende Belastung – zurückzuführen auf eine funktionale Disbalance im Leben.

Weitere Disbalancen sind bekannt. Diese hier einzeln zu diskutieren, sprengt den Rahmen. Sie sind als Belastung bekannt. Daraus wird schnell Überbelastung, mit der Folge des Supergau.

  • Burnout-Fälle nehmen zu
  • Herzinfarkte nehmen zu
  • Schlaganfälle nehmen zu

Aber auch Warnsignale werden nicht wahrgenommen.

  • Bisher produktive Menschen werden ineffizient
  • Die Fehlerrate steigt in allen Bereichen
  • Innere Kündigung ist keine Ausnahmeerscheinung mehr
  • Unzufriedenheit wird zur Grundstimmung
  • Erneuerungsprozesse werden durch Kritik ausgebremst
  • Flexibilität in allen Bereichen ist eingeschränkt

Es fällt auf, dass sich viele „weiche Faktoren“ unter die Warnsignale mischen. Sie sind in Wirklichkeit nicht weich, aber durch unseren täglichen Umgang damit, erscheinen sie klein und unbedeutend. Zu Unrecht! Und es hat eine Bewegung eingesetzt, die Vierpunktnull die Schuld gibt – berechtigt und unberechtigt. Mit fatalen Folgen. Pauschalisieren führt zum unspezifischen Handeln, nicht zur Neufestlegung von Belastungsgrenzen. Kein Wunder, dass Schutzmechanismen nicht greifen und Warnsignale nicht anschlagen.

Vierpunktnull verlangt einer Neufestlegung persönlicher Belastungsgrenzen. Bisherige Lebensentwürfe verlieren ihre Gültigkeit, die alte Work-Life-Balance verlangt nach einem Update. Anders kann man dem persönlichen Supergau nicht entgehen.

Gestalten und Vorsorgen

Einen Supergau kann man nur durch Vorsorge vermeiden. Wenn die Warnsysteme bereits anschlagen, ist es kurz vor zwölf. Es fehlt nicht viel und es kommt zur maximalen Katastrophe. Im Kernkraftwerk ist das die Kernschmelze, beim Menschen Burnout, Herzinfarkt, Schlaganfall. So weit sollte man es nicht kommen lassen. Und wer heute schon auf eine mangelhafte Work-Life-Balance blickt, steht im höchsten Risiko. Mit Vierpunktnull werden die Belastungen nicht weniger.

Alle belastenden Einflüsse nun alleine auf Viernull zu schieben, ist falsch. Es liegen auch Chancen darin. Viele sogar. Es gilt sie zu nutzen. Wer sich offen und schnell darauf einlässt, wird Freiräume zur Gestaltung finden.

Überhaupt wird Gestaltung zukünftig ein wichtiges Schlagworte werden. Wenn Menschen ihren Lebensraum neu gestalten, gestalten sie auch ihre Lebensqualität. Dieses Grundprinzip gilt bereits seit der Antike. Daran hat sich nichts geändert und wenn wir über Zukunft reden, beibt alles beim Althergebrachten. Nur in Zukunft beschäftigen wir uns mit Work-Life-Balance 4.0.

In den vorherigen Teilen dieser Serie über Work-Life-Balance wurden die Hauptbereiche aufgezeigt, die durch günstige Gestaltung die Balance und damit die Lebensqualität steigern. Aktivierte Work-Life-Balance ist die ideale Vorsorge für die Herausforderungen der Zukunft. Der Schutzmechanismus gegen den persönlichen Supergau.

Konkrete Schritte zu Aktivierung der Work-Life-Balance

Der Prozess zur Aktivierung kann auf unterschiedlichen Wegen geschehen. Am Anfang steht das Bewusstwerden, dann erst die Ändern. Aktivierung der Work-Life-Balance ist ein Schrittmodell. Nicht lässt sich auf Knopfdruck erreichen.

Wir alle stecken tief in unserem täglichen Beschäftigungsmodell. Da ist Innehalten und Rekultivieren schwer. Es ist auch nicht günstig, im Urlaub oder in einer Ruhephase an der Work-Life-Balance zu arbeiten. Im Gegenteil. Mitten im Alltages finden wir unsere Belastungen. Über die Gefahr des Supergau wissen wir und haben Strategien entwickelt, von denen wir uns einen gewissen Schutz versprechen. Ganz falsch können diese Maßnahmen nicht sein, sonst wäre der Supergau schon längst über uns hinweg gerollt. So weit ist alles in Ordnung. Aber leben wir nur im Toleranzbereich unserer Schutzmechanismen, oder haben wir die innere Balance gefunden? Das zu erkennen, ist Teil des Bewusstwerdens.

Die Aktivierung der Work-Life-Balance dauert eine gewisse Zeit und ist von Inspirationen von Außen abhängig. Familie, Freunde, Bekannte, Kollegen können Teil des Prozesses sein. Vorausgesetzt, sie sind nicht Teil der Disbalance. All das sind Teile des notwendigen Bewusstwerdens.

Gibt es auch die Work-Life-Balance für Eilige? Ja, dafür gibt es spezielle Angebote. In 6 Sessions mit der sanfteren Methode oder in 3 Intensiv-Sessions in der forschen Vorgehensweise. Balance kann man auch in Hochgeschwindigkeit finden, aber es ist nur der Anstoß. Das Ausleben und täglich neu gestalten, geht nur auf der persönlichen Ebene und ganz alleine.

Ist man danach vollkommen ausgeglichen? Durch nichts zu erschüttern? Nein, keineswegs. Wir sind so emotional wie wir sind. Das bleiben wir auch. Wer zupackend, aktiv und impulsiv ist, wird es auch weiterhin bleiben. Aber die Ableitung von Belastungen wird leichter. Dauerbelastungen setzen sich nicht mehr fest. Es gelingt eher einen kühlen Kopf zu behalten und Lösungen für anstehende Probleme direkter zu finden. Und man lernt seine Energie zu erschließen. Energie die täglich gebraucht wird.

Work-Life-Balance ist keine Basiseinstellung an einem technischen Gerät. Durch unser Zutun schwingt sich unsere Balance jeden Tag neu ein. Jeder Tag anders und jeden Tag finden wir eine neue Balance. Work-Life-Balance folgt keinen Festwerten, ist aber jeden Tag der Schutz vor einem persönlichen Supergau.

Work-Life-Balance Supergau durch Vierpunktnull

Alle Teile der Serie auf einen Blick: #WLBSerie

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Geboren 1959, Führungkraft seit 1984, Unternehmer seit 2000. Erfolgsverwöhnt und immer in der ersten Reihe, bis ihn 2015 ein Schlaganfall zum Anhalten und Rückbesinnen zwang. Stress, Burnout, keine Balance im Leben. Nach dem Schlaganfall hatte sich sein Leben verändert. Anfängliches Interesse und Ursachenforschung ging in Weiterbildung über. Erkenntnis: Work-Life-Balance richtig angewendet ist nicht nur eine Worthülse.

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