Sehen, erkennen, entscheiden | Video & Memocards | Coach Braunschweig

Wenn wir sehen und erkennen, dann fühlen wir uns wohl. Aber wenn wir das Gesehene nicht erkennen oder unsicher sind, stellt sich kein Wohlfühlen. Unsicherheit setzt ein. Unsere innere Stabilität hängt stark davon ab, ob wir unsere Umwelt interpretieren können.

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Sehen ist nicht immer Erkennen

Über den ganzen Tag nehmen wir eine Menge Dinge wahr. Wir fühlen, hören, ertasten, schmecken und sehen. Vieles davon geschieht gleichzeitig. Dabei wird das Gesehene schnell interpretiert und sortiert. Unser Gehirn arbeite wie einen riesige Bilddatenbank. Gesehenes wird sofort mit bisherigen Seherfahrungen abgeglichen. Wird Ähnliches oder Bekanntes vorgefunden, wird dies als „Wiedererkennung“ eingeordnete und ein „Lösungsvorschlag“ mit allen bisherigen Erfahrungen und Eindrücken zur „weiteren Verarbeitung“ zu Verfügung gestellt. Dies ist eine hervorragend Sache, wenn es um einfache Entscheidungen geht. Eine Entscheidung, ob Kampf oder Flucht angesagt ist, lässt sich so schnell und exakt treffen. Aber je komplexer die Vorgänge und das Erfasste werden, um so ungenauer wird dieser Entscheidungsweg.

Unser Leben und unsere Lebenssituationen gestalten sich heute komplexer, als je zuvor. Gleichzeitig wird von uns schnelle Reaktionen gefordert. Eine Vielzahl von Entscheidungsanforderungen fallen nahezu gleichzeitig an. Somit sind wir auf schnelles Erkennen angewiesen. Können wir das immer und zu jedem Zeitpunkt leisten?

Erkennen führt zum Entscheiden

Wenn wir etwas Erkennen und eindeutig interpretieren können, fällt uns die Entscheidung leicht. Unser Gehirn liefert viele Impulse, über Verknüpfung von Referenzen wird eine Entscheidung vorbereitet, durch Erkennen von Ähnlichkeiten unserer Erfahrungen werden „handlungsrichtige“ Reaktionen eingeleitet. Man kann sagen, dass eindeutiges Erkennen bereits zu 90% der endgültigen Reaktion entspricht. Mehr noch! Es ist sogar möglich, dass Wiedererkanntes in gleicher Art „beantwortet“ wird, wie es bereits erlebt wurde.

Täglich grüßt das Murmeltier?

Wenn „alte“ Erfahrungen unsere Entscheidungen stark beeinflussen, stecken wir in einer Erfahrungsspirale fest. Ist das unausweichlich? Werden wir im zunehmendem Alter unfrei? Ist man in der Jugend entscheidungsfreudiger? Wird man im Alter unflexibel? Welche Möglichkeiten gibt es, immer frei zu entscheiden? Wie entgeht man dem Übergewicht von alten Erfahrungen?

sehen und erkennen - sogar genetische Impulse bereiten Entscheidungen vor

Gefahr sehen und erkennen. Entscheidungen werden sogar auf Grundlage von genetischen Erfahrungen beeinflusst, ohne Berücksichtigung eines realen Hintergrundes.

Viele Erfahrungen sind wie Dinosaurier

Wenn man in einer Welt voller Raubsaurier lebt, ist es wichtig zu wissen, wie man einen Tyrann Saurus besiegen kann. Oder man weiß aus Erfahrung, dass ein brennender Stock ins Auge des Räubers gestoßen oder einen eilige Flucht hilft. Harte Realität, wenn man im Saurierland lebt. Aber wenn es keine Saurier im eigenen Lebensraum gibt, sind diese Erfahrungen sinnlos. Sind es überhaupt Erfahrungen? Nein! Mit Mühe und Not ist es geliehenes Wissen. Wissen, das von Menschen vermittelt wurde, die es auch nicht aus eigener Erfahrung wissen, sondern nur vermuten oder zusammenreimen. Einerseits ist das ein Erfahrungsdilemma (weil wir nicht wissen, ob wir der Erfahrungsüberlieferung trauen können, wenn wir von Raubsaurier angegriffen werden) oder die Erfahrung ist Ballast, weil es dafür keinen nutzbringenden Einsatz gibt.

Je mehr unnütze oder nicht aktuelle Erfahrungen wir auf Vorrat pflegen, um so unübersichtlicher wird unser Erfahrungsschatz. Das macht es bei Bedarf schwer, auf die richtige Erfahrung im richtigen Moment zuzugreifen.

Brücken über Erfahrungslöcher bauen

Eine fehlende Erfahrung kann man als Erfahrungsloch bezeichnen. Oder als Lücke. Wir sehen eine Situation und erkennen sie. Aber es fehlt eine Erfahrungsreferenz, um uns für eine Lösung zu entscheiden. Sehen und Erkennen sind hier also nur wörtlich zu verstehen, weil kein Erkennen im Sinne von Wiedererkennen stattfindet. Also geht es den langen Weg. Es setzt ein Prozess ein, den wir als angestrengtes Nachdenken oder logisches Denkenbezeichnen. Oder man reagiert aus dem Bauch heraus. Entscheiden nach Bauchgefühl. Oder man hat einen Lehrsatz eines weisen Vordenkers zur Hand, der eine Entscheidungshilfe gibt, eine Ausfallszenario oder eine Exit-Strategie.

Es ist angenehm und mühelos eine Entscheidung zu treffen, wenn eine Erfahrung als Referenz vorhanden ist. Das ist bequem und bietet ein Gefühl von Sicherheit. Dies funktioniert nicht nur bei „interner Anwendung“. Auch extern findet es gezielt Anwendung. Zum Beispiel bei vielen Online-Shops. Käufer geben Kauferfahrungen ab und beurteilen Produkt und Dienstleistung. Auch Produkttests zeigt, wie Erfahrungen „ausgeliehen“ werden. Interessenten wird so die Kaufentscheidung erleichtert, weil fehlende Erfahrung durch Testergebnisse kompensiert werden.

Millionen Fliegen können nicht irren, esst mehr … der Rest ist in seiner Absurdität bekannt. Aber genau so funktioniert der Mechanismus der geliehenen Erfahrung.

Entscheiden braucht Problembewusstsein

Wenn es etwas zu entscheiden gibt, muss sich vorher immer ein Problem gegeben haben. Ein „Problem sehen“ bedeutet, es als solches zu erkennen. Dazu braucht es eine Problemkompetenz. Darauf soll hier nicht näher eingegangen werden, aber es bedeutet gleichzeitig, dass man bereit ist Problemen zu begegnen. Man kann natürlich allen Problemen aus dem Weg gehen. Oder es zumindest versuchen. Oder es als sein Lebensziel ansehen, möglichst alle Probleme zu vermeiden. Aber funktioniert das wirklich?

In 99% aller Lebenswege ist eine bewusste Problemvermeidung kein dauerhaftes Lebenskonzept. Außerdem passt es nicht mehr in unsere heutige Gesellschaft. Aktuell geht unser Gesellschaftstrend immer weiter in eine kleinteilige Lebensgestaltung mit hohem Grad der Individualisierung. Dies bedeutet im Einzelnen, dass nicht einmal „geliehene Erfahrungen“ im Problemfall das Entscheiden erleichtert. Im Gegenteil, je nach Lebensausgestaltung und Lebensplan sehen Einzelprobleme anders aus und kann eine andere Auswirkung haben. Das klingt abstrakt, ist aber einer der Schlüssel der fortschreitenden Individualisierung.

Individualisierung vermeidet Gleichheit. Auch Ähnlichkeit wird vermieden. Dies gilt in allen Bereichen. Im Umkehrschluss kann das bedeuten, dass Erfahrungen auch nicht kompatibel sind.

Problemvermeider haben es dann sogar besonders schwer, weil sie bisher keine (oder nur wenige) Erfahrungsvorlagen aufgebaut haben. Ein Problem sehe ist die eine Sache, die Tiefe und Reichweite zu erkennen die andere. Dies ist mit mangelnder Übung (Erfahrung) kompliziert. Aber um sich schließlich für eine Problemlösung entscheiden zu können, fehlt es permanenten Problemvermeidern an Entscheidungserfahrung. Hier beginnt ein fataler Kreislauf. Alternativ kann ein Coach um Hilf gebeten werden, aber der bietet auch „nur“ Hilfe zur Selbsthilfe an. Also ist „stärkeres“ Mittel notwendig. Aber was kann das sein?

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Strategisch ist das Gegenteil von planlos

Schon ganz früh am Morgen beginnt gutes, strategisches Handeln. Bereits alltägliche Routine kann eine Strategie für einen erfolgreichen Tag sein. Wenn wir dies erkennen, können wir darauf aufbauen.

Nicht nur Routinen helfen uns weiter. Auch viele Denkanstöße bringen uns auf die Erfolgsspur. Wie zum Beispiel die 36 Strategeme der Chinesen.

36 Strategeme der Chinesen

Die sechsunddreißig Strategeme der Chinesen sind eine Sammlung von 36 Strategievorlagen, die dem chinesischen General Tan Daoji (gestorben 436 n. Chr.) zugeschrieben werden. Seither sind sie tief ins kollektive Bewusstsein Chinas eingedrungen. Heute sind sie sogar Schulstoff. Ein großer Teil des fernöstlichen Managements handelt und denkt in diesen Strukturen.

Jeder Mensch, der sich mit strategischen Entscheidungen befasst, oder Anleitung für sichere Entscheidungsfindung sucht, erhält mit den 36 Strategemen hervorragende Denkanstöße.

Fortsetzung folgt

Dieser Blog-Artikel wird fortgesetzt.

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Geboren 1959, Führungkraft seit 1984, Unternehmer seit 2000. Erfolgsverwöhnt und immer in der ersten Reihe, bis ihn 2015 ein Schlaganfall zum Anhalten und Rückbesinnen zwang. Stress, Burnout, keine Balance im Leben. Nach dem Schlaganfall hatte sich sein Leben verändert. Anfängliches Interesse und Ursachenforschung ging in Weiterbildung über. Erkenntnis: Work-Life-Balance richtig angewendet ist nicht nur eine Worthülse.

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