Rennen um zu siegen

Großes Derby, Rennen um zu siegen. The winner takes it all. Ist es nicht immer so im Leben? Nur der Sieg zählt und nicht die Plätze dahinter. In unsere Kultur hat sich eine Siegermentalität eingeschlichen, in der nur der Stärkste und Schnellste gilt. Da ist es auch nicht wichtig, ob dem Sieger Sympathien zukommen, oder nicht. Sieger ist Sieger. The winner takes it all. Hat sich daraus eine Kultur der Ellenbogengesellschaft entwickelt? Wie geht das weiter? Wird das Rennen um den Erfolg härter werden? Wird sich in Zukunft der Wettbewerb verschärfen? Bleibt die Fairness auf der Strecke? Wie wirkt sich das auf Arbeit 4.0 und ähnliche Themen aus?

Der faire Sieger

Wir reden gern von Fairness. Der Sieger, der mit fairen Mitteln das Rennen gewonnen hat, kann zum Idol aufsteigen. Der Unfaire kann zwar Sieger sein, wird aber keine Hochachtung ernten. Wenn es um ein Rennen geht, haben wir sofort Sicherheit in klaren Regeln der Rennveranstaltung. Außerhalb des Rennplatzes sieht es anders aus, da kann das Fehlen von Regeln sogar zu Konflikten führen.
Wir kennen das, besonders in der Business-Welt. Wir schätzen den fairen Geschäftsmann, bewundern aber den mit den harten Ellenbogen. In den letzten Jahren hat dies zu einer regelrechten Umwälzungen im Geschäftsleben geführt.

Alleine mit ethischen Werten kann ein Unternehmen nicht geführt werden.

Ethik ist ein Ideal, eine sittliche Denk- und Handlungsweise. Manchmal erscheint es wie ein verstaubtes Relikt einer längst vergangenen Zeit. Das beweist der innerbetriebliche Umgang in vielen Unternehmen. Und auch der Umgang der Unternehmen untereinander. Fairness wird in der Merkmalsauflistung der Sieger weit unten geführt. Oberstes Kriterium ist das Erreichen des Ziels als Erster. Schnell und wendig sein ist wichtig. Und immer zur rechten Zeit am rechten Ort. Das Rennen wartet nicht! Immer bereit! Wird sich das in Zukunft weiter verstärken?

Entwicklungen der Zukunft stehen im Zeichen der Renaissance ethischer Werte.

Unsere Zukunft wird durch vollkommenen Wandel in allen Gesellschaftsbereichen gekennzeichnet sein. Der Schritt in die durchgängige Digitalisierung aller Lebens- und Arbeitsbereiche beinhaltet zunächst eine Entmenschlichung. Hier wird es zur großen Aufgabe, ein menschliches Werte- und Arbeitssystem zu installieren und zu pflegen. Die Grundzüge kennen wir alle: ethische Grundwerte und fairer Umgang miteinander. Das bedeutet: Menschsein ins Entmenschlichte zurück bringen, um das Systems zu ermöglichen.

Die vierte industrielle Revolution basiert auf Co-Working und somit auf fairen Umgang.

Wir stehen an der Schwelle der vierten industriellen Revolution. Arbeit 4.0 ist in aller Munde. Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Auflösung von Arbeitszeit und Arbeitsort. Das Leben wird weitestmöglich virtuell. Das erfordert Zusammenarbeit, Co-Working und Vernetzung. Unabdingbar wird dabei die Komponente Fairness. Das Rennen macht dann nicht mehr der mit den härtesten Ellenbogen, sondern der mit dem effizientesten Netzwerk. Netzwerke funktionieren nur durch Geben und Nehmen im fairen Umgang miteinander.

Die Führungskraft der Zukunft

Im Rennen um die aussichtsreichste Position im Feld geht es nicht zimperlich zu. Das wissen alle Führungskräfte. Wer das Rennen gewinnen will, kann sich nicht lange mit Zweifeln aufhalten. Durch diese Schule sind alle gegangen, die heute in einer Spitzenposition stehen. Diese Einflüsse haben auch unser aktuelle Führungssystem geprägt. Mit der vierten industriellen Revolution kommen neue Herausforderungen. Ein Wert- und Verhaltenswandel setzt ein.

Die Mitarbeiterführung wird sich verändern. Das erfordert veränderte Führungskräfte.

Das Rennen wird nicht nur vom Manager bestimmt, sondern maßgeblich durch die Mitarbeiter beeinflusst. Wer als Sieger aus dem Rennen um die beste Unternehmenspositionierung und Ertragslage hervorgehen möchte, kann nur mit effizientem Mitarbeitereinsatz arbeiten. Wenn Arbeitszeitmodell und Arbeitsort flexibel und virtuell umgestaltet wurde, sind alte Führungsmethoden wirkungslos. Neue Führungsinstrumente sind gefragt. Vor einer ganz besonderen Herausforderung stehen all jene Führungskräfte, die durch die neuen Arbeitsmethoden des Co-Working, der Zielerreichung durch Vernetzung und der flexiblen Bedarfsdeckung mit entkoppelten Mitarbeitern ihre gesetzten Ziele erreichen sollen. Dies wird noch anspruchsvoller, wenn ein Teil dieser Mitarbeiter nicht zum direkten disziplinarischen Einflussbereich des Managers gehören.

„Eigene“ und „fremde“ Mitarbeiter verfolgen ein gemeinsames Ziel.

Mit Arbeit 4.0 wird diese Vision Realität. Wie reagieren Menschen darauf? Was sind die Folgen? Welche Auswirkungen hat das?

Kulturwandel: Rennen ohne Sieger

Die Veränderung der Arbeitsweltstruktur verändert auch die Teilhabe an gemeinsamen Zielen. So wird es üblich werden, Teilergebnisse eines Netzwerk-Partners in die eigene Arbeit einzufügen. Das klingt bekannt, weil auch heute schon verteilte und Arbeits- und Forschungsprozessen gepflegt werden. Doch die Digitalisierung erweitert diese Möglichkeiten, beschleunigt sie sogar. In Zukunft wird ein Zulieferer nicht immer bewusst an einem Entwicklungsprozess teilnehmen. Er liefert. Was er zu liefern hat, ist Ergebnis eines offen gestalteten Bedarfsfindungsprozesses. Ein völliger Kulturwandel und erhebliche Beschleunigung von Veränderungsprozessen. Das zukünftige Rennen hat nicht mehr nur ein Ziel – es hat mehrere.

Wie wirkt sich das auf den Einzelnen aus? Wir können nur auf Grundlage heutiger Erkenntnisse für die Zukunft eine Prognose stellen. Listen wir kurz die bekannten Fakten auf.

  • Es ist bekannt, dass die Flexibilisierung der Arbeitszeit eine Erhöhung des Stresspegels auslöst.
  • Die Auflösung eines festen Arbeitsortes bewirkt in der Regel eine weitere Zunahme des Stress.
  • Die Entflechtung von direkter Zielsetzungen birgt auf Dauer eine erhebliche Burnout-Gefahr.

Brauchen Menschen für ein stabiles und gesundes Empfinden eine feste Verortung von Zeitfenstern, Ortsanbindungen und Zielhorizonten?

Der Mitarbeiter als Gewohnheitstier hat ausgedient.

Altgediente Arbeitsabläufe passen nicht mehr in das Zukunftsbild. Alles ist in eine neue Form und in ein neues Organisationskonzept zu überführen. Sieger wird der sein, der das Rennen um die ideale Neugestaltung gewinnt.

arbeit_michael_weyl_business_coach_braunschweigWährend wir hier noch diskutieren, wird an anderen Orten schon an der Neugestaltung gearbeitet. Gewinnen wird jedoch nicht der schnellste, sondern der, dem die Neugestaltung der Führungsaufgabe am besten gelingen. Es geht um die Neudefinition des fürsorglichen Umgangs mit Mitarbeitern, die Anpassung von Motivationsmechanismen, die Neufindung der Zielvermittlung und das Aufstellen eines neustrukturierten Ethikmodells. Und nicht zu letzt wird ein Bewegungsraum zu schaffen sein, in den sich Work-Life-Balance harmonisch einpasst.

Manager jetzt nicht alleine lassen

Zukunft zu gestalten ist nicht leicht, wenn keine Übergang vom alten zum neuen Handeln erforderlich ist. Problematisch ist die Migration. erschwerend kommt hinzu, dass die Übergangszeit unbekannt ist. Manager haben die Aufgabe diese Unsicherheiten abzufedern und aktiv an der Gestaltung zu arbeiten. Die zweigeteilte Aufgabe kann sich zum Problem entwickeln.

Wenn Manager in dem aktuellen Gestaltungsprozess allein gelassen werden, kann sich das zu einem erheblichen Nachteil entwickeln. Es geht nicht um ein Rennen, in dem es nur einen Sieger gibt – wenn die Gestaltung von Arbeit 4.0 misslingt, wird es zu einem Rennen, in dem es nur Verlierer gibt.

Fachliche Herausforderungen meistern Manager zu jeder Zeit. Wenn es eng wird, kennen Sie genügend Ratgeber auf Augenhöhe und Referenzbeispiele. Der anstehende Übergang in die vierte industrielle Entwicklungsstufe verlangt jedoch interdisziplinäres Handeln, zu dem es keine Referenzbeispiele gibt.

Die Gestaltung von Arbeit 4.0 ist nicht mit bisherigen Umwälzungen zu vergleichen. Sieger wird der sein, der interdisziplinär den plausibelsten Vorschlag zur Lebensgestaltung in den neuen Realitäten anbietet.

Eine enorme Herausforderung. Es geht nicht mehr darum, im gewohnten Rennen den Platz als Sieger auf dem Podest einzunehmen. Es ist sogar ein echter Wertewandel, weil es nicht mehr um das Rennen der Einzelkämpfer geht, sondern der noch ungewohnte Aspekt des Co-Working vollkommen neue Rennregeln aufstellt. Zudem wird Agieren auf unterschiedlichen Ebenen gefordert.

arbeit_aufruf_michael_weyl_business_coach_braunschweigDie neuen Realitäten lauten: Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort, umfassende Vernetzung, permanente Erreichbarkeit von Wissen und Ressourcen, Flexibilisierung von Zielen, Verkürzung von Reaktionszeiten, zeitnahe Berücksichtigung kurzfristiger Entwicklungen, Verknüpfung ergebnisrelevanter Objekte außerhalb des direkten Einflussbereichs. Das alles steht unter der Voraussetzung einer hohen Mitarbeitermotivation, maximierten Mitarbeiterzufriedenheit und guter Einpassung des Work-Life-Balance. Als wäre das noch nicht genug, entwickelt sich die Gestaltung einer stressarmen Arbeitswelt zu einem der wichtiges Managerziel. Die Gestaltung der Zukunft ist mehr als nur ein Rennen. Sieger wird es geben. Einige sogar. Wenn jedoch die glatte Migration nach Arbeit 4.0 misslingt, wird es das hundertfache an Verlierern geben.

Was sonst noch interessiert

Haben Sie Interesse an dem Thema „Management und Arbeit 4.0“? Ich plane in Braunschweig eine Veranstaltungsreihe. Sie wird Managern und heranwachsenden Führungskräften Einblick in die Gestaltungsräume der Zukunft geben. Haben Sie Interesse? Richten Sie bitte Ihre E-Mail an Michael Weyl [info ät coach-braunschweig.de], um weitere Informationen zu erhalten.
„Bewusst leben, erfolgreich arbeiten, Zukunft gestalten“ ist das Motto des LifeWorkCamps 2016 in Berlin. Hier werden im Rahmen von Podiumsdiskussionen Szenerien entwickelt, die als Denkanstöße für Gestaltungsprozesse dienen sollen. Arbeit 4.0 ist ein Teil dieses Gestaltungsraumes. Gleichzeitig entwickeln sich dort Gedankenmodelle, die unmittelbar in die Praxis zurück fließen.
Bundesregierung und die Zukunftsgestaltung Arbeit 4.0: zwei Werkhefte
Leistungen des Business Coach Michael Weyl: Leistungsangebot
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Hashtag #arbeitenviernull

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Geboren 1959, Führungkraft seit 1984, Unternehmer seit 2000. Erfolgsverwöhnt und immer in der ersten Reihe, bis ihn 2015 ein Schlaganfall zum Anhalten und Rückbesinnen zwang. Stress, Burnout, keine Balance im Leben. Nach dem Schlaganfall hatte sich sein Leben verändert. Anfängliches Interesse und Ursachenforschung ging in Weiterbildung über. Erkenntnis: Work-Life-Balance richtig angewendet ist nicht nur eine Worthülse.

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