Jobwechsel – Chance und Risiko

Ein Jobwechsel kann ein Baustein der Karriere-Planung sein. Die meisten Karrierefahrpläne sind mit dem Wechsel von Firma und vertrautem Umfeld verbunden. Das Erklimmen der Karriere-Leiter ist heute fast immer mit einem Jobwechsel verbunden – in früheren Jahren war das anders. Da waren permanente Gut-Leistung, eiserner Leistungswille und die Unterstützung durch einen Mentor der sichere Weg in der Hierarchie nach oben. Beispiele kennen wir alle. Heute scheint es das nicht mehr zu geben. Das hat Vorteile, kann aber auch enorme Risiken beinhalten.

Zu jedem Jahreswechsel und jedem Quartalswechsel wechseln tausende Menschen ihren Job. Heute betrachten wir das, was viele Jobwechsler erwartet. Und wir stellen die Frage, wie man die Risiken des Jobwechsels minimieren kann.

Ein Jobwechsel ist ein Schritt in eine fremde Kultur

Tausende Menschen fördern ihre Karriere durch einen Jobwechsel. Es gibt sogar triftige Gründe für den Wechsel des Arbeitsplatzes und der Firma. Der gewichtigste ist, dass der Start in einem neuen Umfeld von der Vergangenheit befreit ist. Im Idealfall kann man Erfolge „mitnehmen“ und Misserfolge zurück lassen. Aber es kann problematisch sein, wenn der gute Ruf voraneilt. Dann wird man immer an dem gemessen, was man unter anderen Voraussetzungen erreicht hat.

Mit dem Wechsel der Firma kommen Sie in eine neue Welt. Für Sie bedeutet das, dass Sie viele Chancen haben und neue Möglichkeiten. Gleichzeitig kommen Sie in eine Ihnen nicht bekannte Gesellschaftsstruktur. Neue Regeln, veränderte Gegebenheiten, andere Umgangsformen, Abläufe und Zusammengehörigkeit. Das Wort Gesellschaftsstruktur ist nicht ganz richtig. Mikrostruktur drückt es exakter aus. Diese für Sie neue Struktur ist in der Ihnen bekannten Branche und darüber hinaus in der normalen Gesellschaft eingebettet, hat dennoch Besonderheiten, die Sie nicht kennen. Da geht es um formelle und informelle Gruppen, homogene und heterogene Mitarbeiterkreise, unerfüllte Wünsche und Erwartungen, hierarchisches Konkurrenzgefälle und undokumentierte Entscheidungsstrukturen. Sie merken, Ihre Karriere ist nicht nur von harten Fakten abhängig, sondern wird von weichen Faktoren bestimmt. Diese werden in keinem Organigramm verzeichnet und in keiner Stellenbeschreibung erwähnt. Wenn es schlecht läuft, kann sich ein Jobwechsel zum Lauf über ein Mienenfeld entwickeln. Wir wollen jetzt aber nicht das Schlimmste annehmen.

Wenn es brenzlig wird

Egal wie vorsichtig man in den ersten Tagen ist, Karriere durch Jobwechsel ist unausweichlich mit Kollisionen verbunden. Ein altes Sprichwort sagt: Neue Besen kehren gut. Das wird vom Neuen auch erwartet. Häufig ist seine Aufgabe, die alten Zöpfe abzuschneiden und neue Inspirationen zu setzen. Keine leichte Aufgabe und in der Regel ist der Inspirator vollkommen alleine. Zwar wird er Rückendeckung von der vorgesetzten Stelle bekommen, aber nicht für alle Ewigkeit. Verklausuliert stand in der Stellenausschreibung „wir suchen einen Dominantor“, die Realität ist die des „Inspirators“. Dominator versus Inspirator. Das bedeutet jedoch nicht, dass die ursprüngliche Ausschreibung ungültig ist – Erwartungsdruck, der zum Leistungsdruck wird. Hieraus entsteht ein hochbrisanter Cocktail, wenn Kollisionen mit den neuen Kollegen hinzu kommen.

An dieser Stelle ist guter Rat nötig. Alleine auf sich gestellt, wird der Neue keinen Ausweg finden. Wenn es „nur“ ein oder zwei Vorfälle sind, können Gespräche im Familienkreis oder mit guten Freunden den Lösungsweg aufzeigen. Wenn sich Vorfälle dieser Art jedoch häufen und die Fronten sich verfestigen, sollte man so schnell wie möglich professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Dem professionellen Coach stehen spezielle Methoden zur Problemlösung zur Verfügung. Problemorientierte Analysegespräche, Rollenspiele oder Gap-Analysen sind Beispiele für Techniken, die bereits nach kurzer Zeit den Knoten aufschnüren können.

Auf keinen Fall sollte der in Schwierigkeiten geratene Jobwechseler auf sein Glück vertrauen und abwarten. Auch wenn sich erste Probleme schnell aufzulösen scheinen, können Rückstände bleiben. Es kann das Überleben sichern, man nicht mit Vermutungen sondern mit klaren Fakten arbeiten kann. Um sich auf sicherem Boden zu bewegen, ist das Einrichten von selbstgeschaffenen Kontrollinstrumente immer eine gute Sache.

Eigene Kontrollinstrumente

Kennzahlen sind wichtige Steuerungsinstrumente, um Erfolge und Misserfolge sichtbar zu machen. Das weiß jeder Unternehmer, das ist jeder Führungskraft geläufig. Daher erstaunt es immer wieder, wie wenige Menschen sich Kontrollinstrumente für die eigenen Belange schaffen. Spätestens dann, wenn im neuen Job einiges schief läuft, sollte man sich eigene Kennzahlen zurechtlegen. Das klingt komplizierter, als es ist.

In der Regel weiß man, was erreicht werden soll. Das gilt besonders, wenn man mit dem Jobwechsel neue Aufgaben übernimmt. Das alleinige Ziel der Karriere ist in dieser Hinsicht mehr als dünn. Eine Karriere wird erst zum Selbstläufer, wenn man Änderungen, Verbesserungen und Inspirationen bereits im Gepäck mitbringt. Der Jobwechsel ist eine Art Umzug mit voller Ausstattung. Für alles was ein Jobwechseler im Gepäck mitbringt, kann er selbst Kennzahlen entwickeln. Viel wichtiger als die Auskunft über Erfolge und Misserfolge ist, dass Kennzahlen ein Frühwarnsystem bilden. Rechtzeitig über Entwicklungen informiert zu sein, ist eine der Grundvoraussetzungen für ein erfolgreiches Management.

Wenn ein Jobwechsel die Karriere nicht fördert

Auch den Besten passiert es, dass ein Jobwechsel nicht die Karriere fördert, sondern einen Karriere-Knick einleitet. Aktuell können wir das beim Meistermacher Pepe Guardiola mitverfolgen. Der als „bester Fußballtrainer“ apostrophierte Coach droht nach seinem Jobwechsel vom 1. FC Bayern München zu Manchester City zu scheitern. Als erfahrener Coach kennt er alle Mechanismen und Techniken, die man gegen ein Scheitern einsetzen kann. Dennoch läuft er in die Falle und steht kurz davor, die Kontrolle zu verlieren. Von Außen fällt es leicht, eine Diagnose über das bevorstehende Scheitern zu stellen. Wenn man aber für sich selbst die Diagnose stellen soll, ist man schnell überfordert. Bevor die Überforderung den Blick fürs Relevante versperrt, sollte man mit einem erfahrenen Coach reden. Die dritte Sicht, die zusätzliche Meinung, die andere Perspektive ist in dieser Situation wichtig. Und es ist der Rat von unbeteiligter Seite, der neue Impulse geben kann.

Ich habe in meiner Zeit als Unternehmensberater schon viele Führungskräfte scheitern sehen. Oft wurde das Scheitern durch eine falsch angesetzte „Selbstheilung“ verursacht. Viele dieser Führungskräfte waren darüber hinaus beratungsresistent und nicht gewillt auf einen guten Rat zu hören.

Am Beispiel von Pepe Guardiola sehen wir auch einen ganz anderen Belastungspunkt. Anfangs wurde schon einmal erwähnt: … es kann problematisch sein, wenn der gute Ruf voraneilt. Dann wird man immer an dem gemessen, was man unter anderen Voraussetzungen erreicht hat. Im Fall von Guardiola ist das eine ganze Menge. Jetzt wiegt jede Zielverfehlung doppelt schwer. Es ist nur zu hoffen, dass dieser herausragende Fußballtrainer sich der aktuellen Problematik stellt und nicht beratungsresistent ist.

Ein Jobwechsel ist immer eine große Herausforderung. Risiken gibt es und die können mit geeigneten Mitteln eingedämmt werden. Ein Jobwechsel ist aber auch gleichzeitig eine große Chance und Treibmittel für die Karriere.

Ich wünsche allen Jobwechselern des Jahres 2017 alle erdenklich Gute!

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Geboren 1959, Führungkraft seit 1984, Unternehmer seit 2000. Erfolgsverwöhnt und immer in der ersten Reihe, bis ihn 2015 ein Schlaganfall zum Anhalten und Rückbesinnen zwang. Stress, Burnout, keine Balance im Leben. Nach dem Schlaganfall hatte sich sein Leben verändert. Anfängliches Interesse und Ursachenforschung ging in Weiterbildung über. Erkenntnis: Work-Life-Balance richtig angewendet ist nicht nur eine Worthülse.

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