Historische Denkmuster untauglich für Arbeit/Industrie 4.0

Historische Denkmuster sind untauglich für die Gestaltung der Zukunft. Arbeit/Industrie 4.0 verlangt nach neuen Regeln und neuen Lebensentwürfen. Alte, historische Denkmuster führen nicht weiter – im Gegenteil, sie behindern.

Zu diesem Schluss kommen Teilnehmer am Rande der aktuell stattfindenden Hannover Messe 2017. Das diesjährige Leitthema der weltgrößte Industriemesse ist Industrie 4.0 und Robotics. Eine Leistungsschau der Technologien. Dabei spielen Aspekte der Arbeit und menschbezogene Faktoren keine Rolle. Zukunfts- und Gesellschaftsforscher merken an, dass dieser Ansatz zu enormen Problemen führen kann.

Historische Vorlagen werden untauglich

Die Blaupause für unsere heutige Gesellschaftsstruktur stammt aus der Zeit der Industrialisierung. Als letzte Entwicklung fasste in den 1980er Jahren die Dienstleistungsgesellschaft Fuß. Alle Menschen haben sich mit dem Strukturwandel arrangiert und daraus den Kern ihrer Lebensqualität gebildet. Work-Life-Balance in Anwendung. Der Prozess der Anpassung hat in der Industrialisierung rund 30 Jahre gedauert, der Strukturumbruch zur Dienstleistungsgesellschaft weniger als 10 Jahre. Zukunftsforscher sagen voraus, dass der Strukturwandel Arbeit/Industrie 4.0 weniger als 5 Jahren benötigen wird. Der Wandel wird jedoch anders ablaufen – nicht die die Unternehmen üben Druck zum Wandel aus, sonder durch gesellschaftlichen Sog wird es Realität.

Anders als bei historischen Wirtschaftsvorgängen, werden sich jetzt Unternehmen und Berufstätige im gleichen Maß um die Ausprägung des Wandels kümmern „müssen“. Es ist wirklich ein „muss“, weil im Wandel entschieden wird, ob Handlungsmodell untauglich für das Fortbestehen sind, oder zum Erfolgsmodell werden. Die Stressbelastung aller Beteiligten wächst in Zeiten des Wandels rapide.

Wandel der Denkmuster

Die Zukunft gehört neuen Lebensentwürfen. Dies können wir schon heute in der Definition der Begriffe Arbeit und Karriere bemerken. Menschen im Alterssegment zwischen 18 und 25 Jahren haben sich schon erheblich von den Vorlagen früherer Zeit entfernt (in Kürze folgt eine nicht repräsentative Studie hierzu). Dies schlägt sich bereits heute in der Struktur von Unternehmen nieder.

Die wichtigsten Trends sind:

  • Mobilität hat höheren Stellenwert als soziale Absicherung
  • Selbstbestimmung wird zur Messgröße für Lebensqualität
  • Selbstverwirklichung verbindet sich mit ethisch-moralischen Werten
  • Trennung von beruflichem und privatem Raum verringert sich
  • Statussymbole ersetzen erworbenen / verliehenen Status

Dieser Wandel im Denkmuster der Gesellschaft verändert die bisherigen Strukturen von Arbeit und Privatem. Mit anderen Worten, Lebensentwürfe der Vergangenheit passen nicht mehr in die Zukunft.

Historische Denkmuster torpedieren Arbeit/Industrie 4.0

Verharren in den heute gepflegten Denkmustern mag zunächst eine scheinbare Sicherheit zu geben. Auf diese Haltung treffen wir häufig in den aktuellen Diskussionen über Arbeit/Industrie 4.0. Dabei wird übersehen, dass die Welle bereits rollt und keineswegs von Kollege Roboter abhängt.Robotic ist „nur“ eine Facette, der Wandel ist umfassend.

Betrachten wir die Sache aus dem Blickwinkel der Produkte. Heute wird Arbeit und Leben durch Produktion und Dienstleistung bestimmt. Dingliche, fassbare Produkte stehen im Mittelpunkt. Und Dienstleistungen. Durch Arbeit/Industrie 4.0 entsteht eine weitere Sparte: Digitale, nicht dingliche, nicht fassbare Produkte.

Digitale Produkte sind keine Dienstleistungen! Ein Beispiel sind Software-Produkte, die nicht mehr gekauft, sondern im Nutzungsabonnement genutzt werden. Hieran merken wir, die Welle rollt schon – bei Spielen im privaten Sektor und bei Office-Software im Bereich von Beruf und Arbeit.

Die Beispiele zeigen, die Welle rollt auch ohne den Kollege Roboter. Wir kommen daran nicht vorbei. Ein vereinzeltes Verharren auf bisherige Handlungsweisen hält die Entwicklung nicht auf. Verweigern bremst jedoch den Prozess der Anpassung. Mit der Folge von Stressbelastung und disfunktionaler Work-Life-Balance.

Die Zukunft ist anders

Berufstätige werden in Zukunft Arbeit an ihre Bedürfnisse anpassen. Was heute im Rahmen der von Unternehmen eingeräumten Freiräumen geschieht, kehrt sich um. Dies bedeutet: Nicht Unternehmen ermöglichen Freiräume in der Arbeit, sondern integrieren angebotene Arbeit in ihre Unternehmensprozesse. Ein seit langer Zeit diskutierter Ansatz wird Realität:

Unternehmen werden Arbeitnehmer – sie nehmen die angebotene Arbeit. Arbeitgeber wird jeder, der seine Arbeit anbietet. Er gibt seine Arbeit als Leistung. Selbstbestimmt, unabhängig und selbstgewählt.

Dies wird durch Technologien möglich. Und durch den gesellschaftlichen Wandel. Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort sind die ersten Denkmodelle. Sie verwandeln historische Denkmuster in neue Handlungsstrukturen. Sie sind aber nur der Einstieg in den großen Wandel.

Durch die Veränderung der Lebensparameter verändert sich auch die Lebensführung. Ein umfassender Gestaltungsprozess. Neu zu gestalten ist zum Beispiel die Work-Life-Balance. Zumindest wird eine sorgsame Überprüfung notwendig. Welche bisher gültigen Mechanismen und Denkmuster passen zu Arbeit/Industrie 4.0.

Jetzt mit dem Wandel beginnen!

Der Wandel zu Arbeit/Industrie 4.0 hat schon eingesetzt. Wenig beachtet, aber doch präsent. Denkmuster verändern sich, passen sich an. Das sind Zeichen für eine intakte gesellschaftliche Flexibilität. Und überall sehen wir, wie historische Lebensentwürfe durch neue ersetzt werden. Wir leben in einer Zeit des Wandels.

Der aktuelle Wandel wirkt sich auf unser gesamtes Leben aus – privat und beruflich. Es ist wichtig, sich darauf vorzubereiten. Im Wandlungsprozess ist es von Vorteil, seine Stärken und Defizite zu kennen. Als Berufstätiger, Selbständiger oder Unternehmer. Arbeit/Industrie 4.0 betrifft uns alle und es liegt in unserem eigenen Interesse, daraus ein Erfolgsmodell zu machen.

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Geboren 1959, Führungkraft seit 1984, Unternehmer seit 2000. Erfolgsverwöhnt und immer in der ersten Reihe, bis ihn 2015 ein Schlaganfall zum Anhalten und Rückbesinnen zwang. Stress, Burnout, keine Balance im Leben. Nach dem Schlaganfall hatte sich sein Leben verändert. Anfängliches Interesse und Ursachenforschung ging in Weiterbildung über. Erkenntnis: Work-Life-Balance richtig angewendet ist nicht nur eine Worthülse.

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