NewWork braucht neue Denkmuster – historische sind untauglich

Historische Denkmuster sind heute untauglich. Neue Konzepte wachsen und sind unter den Begriffen NewWork, Arbeit 4.0, Industrie 4.0, Digital Economy und HappyWorkingPeople bekannt. Über allem steht der Begriff Neue Wirtschaft. Noch ist nicht alles klargestellt und die Diskussion pendelt zwischen Goldgräberstimmung, Zukunftsangst und Sozialromantik.

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Was macht historische Denkmuster untauglich?

Die Blaupause für unsere heutige Gesellschaftsstruktur stammt aus der Zeit der Industrialisierung. Daran hat sich lange nichts geändert. In den 1980er Jahren fasste die Dienstleistungsgesellschaft Fuß, in den 2000er Jahren kam die E-Commerce-Welle ins rollten. Geprägt wurde alles durch ein weitgehendes Produkt-Denken. So wurden sogar Dienstleistungen als Produkt bezeichnet und deren Zuverfügungstellung folgte weitestgehend dem Denkmuster der industriellen Produktherstellung.

Der Ansatz, auch Dienstleistungen als Produkt zu verstehen, wird durch die Digital Economy ausgehebelt. Neben dinglichen Produkten und Dienstleistungen entsteh der neue Bereich der digitalen Services. Dieser entspricht in keiner Weise mehr dem Denkmuster eines Produktes. Mehr sogar: er verlangt eine klare Abgrenzung von Dienstleistungen und eine deutlichere Unterscheidung von dinglichen Produkten. Das mag zunächst unproblematisch klingen, ist aber einer der wichtigsten Faktoren für durchgängige Digitalisierung und Automatisierung.

Wer glaubt mit Web 2.0 und Smartphone die Spitze der Digitalisierung erreicht zu haben, befasst sich gedanklich mit der Dampfmaschine. Wo stehen wir? Wo geht die Entwicklung hin? Was umfasst die Neue Wirtschaft? Und an welcher Stelle hakt NewWork ein?

Der historische Richtungswechsel

Wenn sich Umweltbedingungen ändern, dann arrangieren sich die Menschen mit dem Strukturwandel und richten ihrer Lebensqualität neu ein. Das Work-Life-Balance in Anwendung, die Suche nach der Balance im Leben. Ein aktiver und permanenter Anpassungsprozess. Historisch betrachtet hat der Anpassungsprozess der Menschen an die Industrialisierung rund 30 Jahre gedauert, der Strukturwandel zur Dienstleistungsgesellschaft weniger als 10 Jahre. E-Commerce und mobile Computing haben jeweils rund 5 Jahren zur Veränderung der Gesellschaft „benötigt“. Zukunftsforscher sagen voraus, dass der Strukturwandel für NewWork, neue Wirtschaft, Arbeit 4.0, Industrie 4.0, Digital Economy weit weniger als 5 Jahren benötigen wird. Aber Achtung, wir sind schon mittendrin!

Es ist unsinnig in der Zukunftsform zu reden, da wir uns schon mitten im Strukturwandel befinden. Aber anders als bisher, üben nicht Unternehmen den Druck zum Wandel aus, sondern folgen dem gesellschaftlichen Sog. Aus historischer Sicht ist das ein beachtlicher Richtungswechsel.

Was ist alt, verstaubt und untauglich?

Erstmals in der Geschichte der modernen Ökonomie werden sich Unternehmen und Berufstätige im gleichen Maß um die Ausprägung des Wandels kümmern „müssen“. Es ist wirklich ein „muss“, weil im Wandel entschieden wird, ob bisherige Handlungsmodelle noch Erfolgsmodelle sind. Dieser tägliche Praxistest lässt den allgemeinen Stresspegel erheblich ansteigen. Dies gilt besonders, weil sich neue Denkmuster Geltung verschaffen, ohne historische Vorlagen.

Wandel der Denkmuster

Die Zukunft gehört neuen Lebensentwürfen. Dies können wir schon jetzt in der Veränderung der Definition von Arbeit und Karriere bemerken. Menschen im Alterssegment zwischen 18 und 30 Jahren haben sich bereits erheblich vom Denkmuster früherer Zeit entfernt. Dies schlägt sich auch in der Struktur von Unternehmen nieder. Und Lebensqualität wird neu definiert. Hierbei entstehen aus den Forderungen der Einzelnen zentrale Werte für eine neue Lebens- und Arbeitsqualität. Diese sind:

  • Selbständigkeit,
  • Freiheit (in Form von Handlungsfreiheit),
  • Teilhabe an der selbstbestimmten Gemeinschaft.

Dabei bestimmt im sozialen Gefüge ein neues Denkmuster die Gesellschaftsstruktur. Danach entsteht ein neues Lebenskonzept, das jeweils zu gleiche Teilen aus

  • Erwerbsarbeit,
  • alternative Zusatzversorgung,
  • und Tätigkeiten, die man selbst als äußerst wichtig ansieht.

Daraus entstehen folgende Trends, die wir bereits heute im Alterssegment der unter 35 Jährigen beobachten können:

  • Mobilität hat höheren Stellenwert als soziale Absicherung,
  • Selbstbestimmung wird zur Messgröße für Lebensqualität,
  • Selbstverwirklichung verbindet sich mit ethisch-moralischen Werten,
  • Trennung von beruflichem und privatem Raum verringert sich,
  • Statussymbole ersetzen erworbenen (verliehenen) Status.

Das sind Schlüsselpunkte, die bisherige Denkmuster für Gesellschaft und Unternehmen untauglich machen, zumal sich aktuell das genannte Alterssegment erheblich nach oben verschiebt.

Der alte Grundsatz “Tausche Freizeit gegen Geld“ hat ausgedient. Er funktioniert heute nicht mehr. Aber auch der Gedanke einer auf Spaß und Selbstverwirklichung bezogenen Gesellschaft funktioniert nicht, weil die Grundlage dafür eine Erwirtschaftung ist. In unserem Kulturkreis ist es die Erwirtschaftung durch Unternehmen. Diese sind vom erwirtschafteten Kapital abhängig, ohne Ertrag verlieren sie ihre Existenzberechtigung.

Ein bekannter Ansatz des NewWork besagt, dass der Verzicht auf 1/3 der Erwerbstätigkeit durch „schlauen Konsum“ und alternativer Zusatzversorgung ausgeglichen werden kann. Im Einzelnen wird das auf einen „guten Lebensstandard“ zurückgeführt. Hierbei hat der Sozialpsychologe Friethjof Bergmann wichtige Impulse gegeben. In der Praxis der Unternehmen bedeutet das ein Umdenken.

Das Handeln der Mitarbeiter ist für Unternehmen wichtig, weil sie die aktuellen Entwicklungen der Gesellschaft in das Unternehmen hinein tragen. Wenn das Unternehmen sich im gleichen Maß öffnet und diese Entwicklungen zulässt, setzt eine permanenter Anpassungsprozess ein, der sowohl die Gesellschaft, wie auch die Unternehmen näher zusammen bringt und verknüpft. Dadurch wird sichergestellt, dass im Unternehmen die Wertschöpfung erhalten bleibt.

Dieser Wandel im Denkmuster der Gesellschaft verändert die bisherigen Strukturen bezüglich Arbeit und Privatem. Mit anderen Worten: Die historische Ausprägung von Lebensentwürfen ist für die Neue Wirtschaft untauglich geworden. NewWork ist eine Auswirkung dieser Veränderung.

Historische Denkmuster bezüglich Lebensentwurf und Arbeitswelt bedeutet nicht, dass diese Jahrhunderte alt sind. Nein! Was noch vor 5 Jahren richtig war, ist heute nicht mehr gültig – untauglich durch die Veränderung innerhalb der Gesellschaft.

Historische Denkmuster torpedieren NewWork

Das Verharren auf dem Denkmustern „von gestern“ mag eine scheinbare Sicherheit bieten. Gerne wird gegen Arbeit 4.0 / Industrie 4.0 argumentiert. Dabei wird übersehen, dass die Welle bereits rollt und keineswegs von „Kollege Roboter“ abhängt. Robotic und künstliche Intelligenz sind nur Facetten. Der Wandel ist umfassender.

Roboter-Technik ist nur ein Platzhalter. Genau wie das Schlagwort „durchgängige Digitalisierung“. Dahinter steckt eine umfassende Automatisierung von gleichbleibenden Prozessen. Wir können auch den unternehmensinternen ISO9000-Katalog aufschlagen und vor uns liegen 90% des Automatisierungspotentials. Werden dadurch die Mitarbeiter überflüssig?

Wer sich im Interesse der Arbeitsplatzerhaltung an den „alten Prozessen“ festhält, arbeitet aktiv gegen die Wertschöpfung des Unternehmens. So kann man das Verharren auf alte Denkmuster am Arbeitsplatz bezeichnen. Aber es geht noch viel tiefer! Durch die Negierung der Automatisierung wird dem Unternehmen die Möglichkeit zur Integration von neuen Prozessen genommen. Aber gerade die sind es, die das wirtschaftliche Überleben im schnell wandelnden Marktumfeld sicher stellen. Und hierfür werden Mitarbeiter und ihre Fähigkeiten benötig.

Erweiterung des Blickwinkels

Das bisher gültige Denkmuster der Wirtschaft richtet sich auf Produktion und Dienstleistung. Dingliche, fassbare Produkte stehen im Mittelpunkt. Dienstleistungen sind Ergänzung oder alleiniger Unternehmenszweck. Jetzt entsteht eine weitere Sparte: Digitale, nicht dingliche, nicht fassbare Produkte.

Digitale Produkte sind keine Dienstleistungen! Ein Beispiel sind Software-Produkte, die nicht mehr gekauft, sondern im Nutzungsabonnement „verteilt“ werden. Das ist heute schon üblich bei Spielen, bei Office-Software und im Design-Bereich. Die Beispiele zeigen, die Welle rollt auch ohne den Kollege Roboter. Wir kommen nicht daran vorbei.

Aber wie verändert das die Arbeit an sich? Welchen Stellenwert hat NewWork?

Hier kommen wir zu einem gravierenden Irrtum, der die Betrachtung der Neuen Wirtschaft prägt. Nicht der vollkommene Wandel aller Lebens-, Handels- und Arbeitsbereiche wird eingeleitet! Keineswegs! Und doch wird die gesamte Gesellschaft von dieser Veränderung erfasst. Bisher war es zum Beispiel üblich, dass man zum Einkauf entweder in ein Geschäft geht, oder den Kauf über einen Internet-Shop abwickelt. Das sind klar strukturierte Wege. Aber historische! Sie folgen klaren Strukturen. Die Neue Wirtschaft löst diese Strukturen auf.

Nehmen wir zum Beispiel die Kontoeröffnung bei einer Bank. Das ist so klar strukturiert, dass man sich das fast nichts anderes vorstellen kann. Oder doch? Zum Beispiel per Smartphone und ohne Papierkrieg. Kontoeröffnung innerhalb von 8 Minuten, von jedem Platz der Welt aus. Vorausgesetzt, man hat ein Smartphone. Das ist heute schon Realität [Link zu N26].

Das Bank-Beispiel zeigt Prozesse der Neuen Wirtschaft. All das funktioniert nur durch Mitarbeiter, die nicht an historische Denkmuster angeklebt werden. Und es funktioniert durch die Einlassung von Unternehmen auf die „neuen Mitarbeiter“, die ihre Fähigkeiten und Wünsche einbringen und verwirklichen.

Die Zukunft ist anders

Berufstätige passen die Arbeit an ihre Bedürfnisse an. Was bisher im Rahmen der von Unternehmen eingeräumten Freiräumen geschieht, kehrt sich um – nicht Unternehmen ermöglichen Freiräume in die Arbeit, sondern integrieren die angebotene Arbeit in ihre Unternehmensprozesse. Hierzu verlassen beide Seiten ihre bisherigen Denkmuster. Somit wird der seit langer Zeit diskutierter Ansatz Realität:

Unternehmen werden Arbeitnehmer – sie nehmen die angebotene Arbeit.
Arbeitgeber werden die, die ihre Arbeit anbieten.
Der Arbeitgeber gibt also seine Arbeit als Leistung an den, der diese Arbeit nimmt.
Selbstbestimmt und selbstgewählt.

Diese wird durch neue Betriebsmodelle, Automatisierung und Integration von Ausnahmeprozessen möglich. Und durch den gesellschaftlichen Wandel. Das ist die Plattform des NewWork als Denkmodell und neues Denkmuster der Neuen Wirtschaft.

Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort sind die ersten Denkmodelle. Dort werden historische Denkmuster in neue Handlungsstrukturen gewandelt. Es folgt die Automatisierung der Normalprozesse, um Raum für Ausnahmeprozesse zu schaffen, die durch die Fähigkeiten der Mitarbeiter erst möglich werden.

Dies verändert die Lebensführung im umfassenden Gestaltungsprozess. Neu zu gestalten ist zum Beispiel die Work-Life-Balance. Zumindest ist eine sorgsame Überprüfung empfehlenswert.

“Tausche Freizeit gegen Geld“ ist als Denkmuster der Lebensgestaltung untauglich geworden. Das ist die eigentliche Revolution.

Jetzt ist Wandel!

Der Wandel zur Neuen Wirtschaft ist bereits voll im Gang. Denkmuster verändern sich, passen sich an. Das sind Zeichen einer intakten gesellschaftlichen Flexibilität. Und überall sehen wir, wie historische Lebensentwürfe durch neue ersetzt werden. Der Wandel wirkt sich auf unser gesamtes Leben aus – privat und beruflich. Beides sind gleichbedeutende Wege, die in die Neue Wirtschaft führen. Gehen auch Sie weg von alten Denkmustern. Brauchen Sie Unterstützung? Sind Sie unsicher? Dann lassen Sich sich von mir coachen.

NewWork braucht neue Denkmuster

 

In diesem Wandlungsprozess ist es von Vorteil, seine Stärken und Defizite zu kennen, um sie gezielt einsetzen zu können. Als Berufstätiger, Selbständiger oder Unternehmer.

Mehr Informationen zur Neuen Wirtschaft und NewWork

Im Blog-Artikel „Wahrheiten zur neuen Wirtschaft, NewWork und Vierpunktnull“ werden weitere Aspekte der Neuen Wirtschaft und NewWork aufgezeigt.

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Geboren 1959, Führungkraft seit 1984, Unternehmer seit 2000. Erfolgsverwöhnt und immer in der ersten Reihe, bis ihn 2015 ein Schlaganfall zum Anhalten und Rückbesinnen zwang. Stress, Burnout, keine Balance im Leben. Nach dem Schlaganfall hatte sich sein Leben verändert. Anfängliches Interesse und Ursachenforschung ging in Weiterbildung über. Erkenntnis: Work-Life-Balance richtig angewendet ist nicht nur eine Worthülse.

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