Blick des Kriegers

Heute geht es um einen speziellen Blick. Es ist eine hervorragende Methode um die Konzentration zu steigern, bei gleichzeitiger Entspannung. Der Blick des Kriegers ist eine Meditation im vollen Bewusstsein für aktive Menschen. Der Geist wird freigeräumt für das Wichtige. Energie tanken und Platz schaffen für die entscheidende Aktion.

Da steht viel auf dem Programm. Dies alles soll durch einem Blick möglich werden?

Heute ist es ein Blick des Friedens

In vielen Meditations- und Konzentrationstechniken des fernen Ostens ist der Blick des Kriegers bekannt. Diese Form hat ihren Platz im Yoga gefunden und ist ein zentraler Punkt des japanisch orientierten Zen. Wo der Anfang liegt ist ungewiss. Jeden Donnerstag gegen 12 Uhr heißt es: Qigong in der Mittagspause. Und auch hier ist dieser Blick ein wichtiges Element.

Oigong, diese aus China kommende Konzentrations- und Meditationsübung, hat im Laufe der Jahrtausende eine Vielzahl von Einflüsse aus den normalen Lebensbereichen der Menschen aufgenommen. Heute finden wir eine Ansammlung von verschiedenen Dingen, Begriffe und Symbolen aus dem alltäglichen Bereich. Selbstverständlich sind durch die lange Geschichte historische Elemente stark vertreten. Eines davon ist der Blick des Kriegers. Interessant ist, dass dieser Blick ein aktives Element ist. Es ist nicht zu weit gegriffen, ihn zeitgemäß als Blick des Managers bezeichnen.

Missverständnisse vermeiden – Begriffe definieren

Um Missverständnisse zu vermeiden, definieren wir zuerst die Begriffe Blick und Krieger. Aus der semantischen Betrachtung heraus, gibt es für beide mehrere Verwendungen.

Das Wort Blick kann man mit Anblick, Ansicht, Ausblick, Aussicht, Sicht, sowie sinngemäß auch mit erkennen, wahrnehmen und bemerken gleichsetzen. Der Begriff Krieger wird auch synonym für Charakter, Individuum, Kämpfer, Streiter, Soldat, Persönlichkeit, gefestigte Persönlichkeit und starke Person verwendet.

In der Verwendung in Zusammenhang mit dem auf Frieden und Harmonie ausgelegten Qigong erscheint uns das ungewohnt kampfbetont und kriegerisch. Doch das täuscht. Zum einen hat Qigong Wurzeln im chinesischen Rittertum und im Shaolin Kungfu. Nicht kämpfend, sondern vorbereitend. So sammelten Kämpfer Mut, Kraft und Zuversicht durch Übungen des Qigong. Viele Elemente haben sich bis heute erhalten und werden auch vielfältig genutzt. Zum Beispiel wird weltweit in Manager-Schulen zur mentalen Vorbereitung auf problematische Verhandlungen der Einsatz von Qigong-Elementen gelehrt. Auch bei Tätigkeiten, bei denen es auf Reaktionsschnelligkeit, Mut und Zuversicht ankommt, werden Teile des Qigong in die Vorbereitung integriert. Die Liste reicht vom Rennfahrer bis zur Chirurgen. An den Börsen sammeln viele Makler vor dem Start durch Qigong-Elemente ihre Konzentration, egal ob sie es Qigong nennen oder anders bezeichnen. Und eine der häufigsten Übungen ist der spezielle Blick, um den wir uns heute kümmern.

Im Blick des Kriegers liegt die innere Ruhe

Folgen wir einer Metapher und ergründen die Hintergründe. Eine alte chinesische Fabel berichtet, dass ein Krieger auf freiem Feld steht und nach dem Feind Ausschau hält. Ein Vogel fliegt herbei und setzt sich auf den Helm des Kriegers. Dieser reagiert nicht und richtet den Blick in die Richtung, in der der Feind vermutet wird.

Ein Reh kommt aus dem Unterholz und beginnt auf der Wiese zu fressen. Der Krieger bewegt sich nicht und so bemerkt das Reh ihn nicht. Frieden und totale Entspannung beherrschen den Augenblick. Plötzlich bricht ein Wildschein mit lautem Krach durch das Unterholz. Der Krieger bewegt sich nicht, reagiert nicht, blickt weiter in die Feindesrichtung.

Der Feind ist schlau und schickt zwei geschickte Kämpfer, die sich von der Seite an den Krieger heranschleichen sollen. Einer von links, einer von rechts. Beide bewegen sich leise, fast wie Schlangen. Im letzten Moment springen sie auf, und wollen den Krieger mit ihren Messern erstechen. Dieser bemerkt die Bewegung in den Augenwinkeln, zieht sein Schwert und vollführt einen Rundschlag. Beide Angreifer werden getroffen und sinken ins Gras. Der Krieger ist der Sieger, der Angriff des Feindes schlägt fehl.

Die Ruhe des Blicks und die Konzentration auf den einen definierten Auslöser hat dem Krieger den Sieg gebracht. Nur das Wichtige, der Auslöser, hat den Krieger reagieren lassen. Er hat seine volle Aufmerksamkeit und Energie auf den einen entscheidenden Moment gelegt. Wenn wir das in unsere heutige Zeit übertragen, fallen uns mit Sicherheit Situationen ein, in denen ungeteilter Aufmerksamkeit entscheidende Vorteile bringt. Und es geht um Sammeln und Aufbauen von Konzentration, Ausgeglichenheit und Entspannung. Besonders die Entspannung in dem was wir tun, ist ein wichtiger Beitrag zum eigenen Stressmanagement.

Alles sehen, hören, fühlen, schmecken, riechen

Der Blick des Kriegers stellt ihn von vielen Dingen frei. Er reagiert nicht und bewertet nicht. Diese Art von Konzentration hat den Blick in jede Meditationsform eingehen lassen. Wobei klar zu sagen ist, dass des Kriegers Blick nichts mit Entrücktheit und Zugang in andere Geisteszuständen zu tun hat. Es dreht sich um das kapazitive Freihalten der Denkleistung, bis ein bestimmtes Signal zur Handlung kommt.

Blick des Kroegers

Dieser Blick ist tief in die Praxis des Qigong eingegangen. Sehen, hören, fühlen, schmecken und riechen, aber nicht bewerten und nicht benennen. Kein Bild ist schön oder hässlich, kein Ton ist hoch oder tief, kein Windhauch ist heiß oder kalt, kein Geschmack ist süß oder sauer, kein Geruch verlockend oder abstoßend. Nichts hat einen Namen. Die Sinneswahrnehmungen fließen dahin. Sie sind da und sie bedeuten Leben.

Wie der Blick zum Ausweg werden kann

Der Bezug zum unserem Februar-Schwerpunkt Ausweg ist nicht sofort ersichtlich. Wenden wir uns dem Krieger zu. Für ihn heißt es, in der Schlacht zu überleben und zu siegen. Nichts anderes finden wir heute im beruflichen Leben, auch wenn nicht blutiger Stahl regiert. Aber sinngemäß. Sich gut präsentieren, im Wettbewerb zu bestehen, seinen Willen und seine Aufgabe durchzusetzen, Erfolg zu haben und Sieger zu sein. Kriegerische Ansätze. Im heutigen Business sind wir dem Krieger näher, als es uns bewusst ist.

Der Blick des Kriegers steht für volle Konzentration. Gleichzeitig halten sich die Gedanken nicht an Einzelheiten fest. Alle fünf Sinne sind aktiv. Unser Geist ist auf Aufnahme gestellt. Aber an keiner Sache bleiben die Gedanken hängen. Alles fließt, alles hat die gleiche Priorität. Wach und doch in einem ruhenden Modus. In dieser Stellung kann man stundenlang verbringen. Ein Zustand der totalen Entspannung. Aber sofort wenn ein bestimmtes Ereignis eintritt, ist man zu einer Reaktion bereit. Wie der Krieger, der den Feind abwehrt. Wie ein Kungfu-Kämpfer, Rennfahrer oder Torwart. Wie ein Börsenmakler, der Kauf- und Verkaufsentscheidungen im Bruchteil einer Sekunde trifft. Beispiele von Menschen, die sich den Blick des Kriegers zu Nutze machen.

Es gibt noch mehr Menschen, für die der Blick des Kriegers von Nutze sein kann. Alle hier aufzuführen, würde den Rahmen des Berichtes sprengen. Eines können wir jedoch festhalten: Nicht nur für die Reaktionsfähigkeit ist dieser Blick förderlich. Auch zur Steigerung der geistigen Leistungskraft, Aufmerksamkeit, Konzentration und Entspannung trägt er bei. Überall wo diese Eigenschaften gefordert werden, ist der Blick des Kriegers ein Ausweg aus der drohenden Überbelastung.

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Geboren 1959, Führungkraft seit 1984, Unternehmer seit 2000. Erfolgsverwöhnt und immer in der ersten Reihe, bis ihn 2015 ein Schlaganfall zum Anhalten und Rückbesinnen zwang. Stress, Burnout, keine Balance im Leben. Nach dem Schlaganfall hatte sich sein Leben verändert. Anfängliches Interesse und Ursachenforschung ging in Weiterbildung über. Erkenntnis: Work-Life-Balance richtig angewendet ist nicht nur eine Worthülse.

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