Stress und Ärger für die intakte Work-Life-Balance nutzen

Stress und Ärger können uns bei der Erhaltung der intakten Work-Life-Balance helfen. Ist diese Botschaft eine Fake News? Sonst wird doch immer behauptet, dass nur ein ruhiges, ausgeglichenes Leben zur funktionierenden Work-Life-Balance führt.

Im ersten Teil der Serie wurde Wahrheit und Irrtum zur Work-Life-Balance aufgearbeitet. Wir haben gesehen, vieles ist nicht so, wie häufig behauptet wird. Einiges ist zu relativieren. Dann haben wir uns die Organisation vorgenommen, um komfortabel in Balance zu kommen. Schließlich haben wir das Augenmerk auf Energiegewinnung und Achtsamkeit gelegt und das Empfinden des Einzelnen und der Gruppe wurde betrachtet. Bis dahin hört sich alles nach Harmonie und Einssein mit sich und der Umwelt an. Deshalb ist die jetzige Irritation verständlich. Stress und Ärger als akzeptable Komponente für die intakte Work-Life-Balance, erscheint zunächst abwegig.

Stress und Ärger sind Blitzableiter

Wir alle kennen die Funktion von Blitzableitern.

(aufklappen) So funktioniert ein Blitzableiter:
Ein Blitzableiter ist metallisch und hat eine hohe Leitfähigkeit.
Er wird am höchsten Punkt eines Bauwerks angebracht. Da Blitze immer den kürzesten Weg wählen, schlagen sie in den höchsten Punkt ein.

Der Blitzableiter soll den Blitz abfangen und durch Fangleitungen in den Boden leiten. Wenn ein Blitz so abgeleitet wird, besteht keine Gefahr für das Gebäude. Bei sehr starken Blitzeinschlägen können dennoch Schäden entstehen, wenn die Einschlagsenergie größer als die Ableitungskapazität ist.

Das Beispiel des Blitzableiters, bezogen auf das menschliche Empfinden, ist gar nicht so abwegig. Außerdem gibt es eine weitere Verwandtschaft zwischen Blitz, Stress und Ärger. Wir können sie nicht vermeiden. Egal was wir tun, es kommt immer wieder zur Entladung. Und das ist sogar sehr gut!

Stress und Ärger sind verschiedene Blitze

Oft werden Stress und Ärger in einem Atemzug genannt. In Wirklichkeit sind es aber zwei verschiedene Dinge. Stress ist eine vitale Überlebensfunktion. Nur durch Stress können wir in Gefahrensituationen die richtige Entscheidung zwischen Kampf und Flucht treffen. Ein Stressschub kann uns zu außergewöhnlichen Leistungen bringen. So gesehen ist er nicht schädlich, sondern nützlich. Schädlich wird Stress erst, wenn er sich auf Dauer festsetzt. Auch die Häufigkeit von Stress-Erlebnissen kann Schaden in Psyche und Organismus anrichten. Wir reagiert immer auf Stress. Unbemerkt ist er niemals. Unser Empfinden macht es mit einem Gefühl des Unwohlseins und Unruhe bemerkbar und wir spüren unmittelbar, wie er sich auswirkt. Alle unsere Sinne sind geschärft. Bei starkem Stress werden wir sogar überempfindlich. Das kann bis zur Gruppenuntauglichkeit führen.

Ärger ist ein andere Empfindung. Das Erleben von Ärger basiert auf einer Erwartungsverletzung. Oft wird dies durch zwischenmenschlichen Beziehungen ausgelöst. Aber auch Ärger über Tiere, Zustände, Umstände, Sachlagen und Gegenstände, Farben, Formen und Geräusche ist uns nicht fremd. Das bringt unser Blut in Wallung. Diese Floskel trifft den Nagel auf den Kopf. Aber nicht der Ärger an sich bewirkt die Wallung, sondern der Stress. Ärger ist ein Stressauslöser, keine eigenständige Belastung. Das bedeutet jedoch nicht, dass es sich um eine harmlose Empfindung handelt. Dauerhaftes oder häufiges Auftreten sind schädlich. Besonders, wenn der Ärger sich zur festen Komponente im Dauerstress-Cocktail manifestiert.

Stress und Ärger können wir als Blitze begreifen. Eine Entladung kommt einem Gewitter gleich. Nicht das Ereignis, sondern die Einschläge können Schaden anrichten. Aber auch die Vermeidung von Gewittern kann schädlich sein.

Wenn der Blitz einschlägt

Wenn ein Blitzableiter installiert ist, wird die Blitzenergie abgeleitet. Bei einem Einschlag kommt es zu keinem Schaden. Voraussetzung ist, dass ausreichend Ableitungskapazität zur Verfügung steht. Wie im Beispiel des Blitzableiters an einem Gebäude, kann auch Stress und Ärger abgeleitet werden. Aber hier genügt es nicht, einen Draht am Kopf zu installieren und diesen bin in den Boden zu leiten. Aber sinngemäß funktioniert es.

Um uns zu schützen, sorgen wir für eine Ableitung. Im Bezug auf Stress und Ärger kann dies durch einen Ausgleich erfolgen. Zum Beispiel Gartenarbeit gegen laute, lärmige Arbeitsbedingungen. Da jedoch nicht jede Situation einen zeitnahen Ausgleich erlaubt, sind andere Strategien gefragt. Eine gute Maßnahme ist, die Energie der „Blitze“ für die eigene Zwecke zu nutzen. In einer Methapher gesprochen, verschwindet der Blitz nicht im Boden, sondern aufgefangen und ins Stromnetz eingeleitet werden. Ist das jetzt eine all zu optimistische Sicht, wenn wir von Ärger und Stress sprechen?

Wenn der Blitz Schaden anricht

Der häufigste Grund für Ärger ist, wenn sich Menschen in der Erreichung ihrer Ziele blockiert sehen oder ihre Normen verletzt werden. Normen und Zielen sind wir schon im Teil der Organisation begegnet. Da wurden Normen mit Regeln gleich gesetzt und in den organisatorischen Kontext gestellt. Wenn dies in Frage gestellt wird, steigt Ärger auf. Gute, wenn es zeitnah zum Ausbruch kommt.

Vorsicht!
Nichts ist schädlicher, als ein Stau.
Und nichts ist heftiger, als die Entladung von aufgestautem Ärger.

Wir können Ärger nicht vermeiden. Dies liegt an unserem Wertesystem. Da wir das wissen, können wir durch gezielte Entladung die Stärke der Entladung beeinflussen. So weit die Theorie. Wie kann das in der Praxis aussehen?

Sehr heftige Ärger-Entladungen gibt es in der Regel bei Kränkungen, Angriffen auf das Selbstwertgefühl, Verletzung der Ehre oder Minderung von Leistungen. Wenn der ärgerverursachenden Person die Kontrolle über die auslösende Situation zugeschrieben wird und eventuell böswillige Absichten unterstellt werden, verstärkt sich diese Entladung nochmals. Sprachlich kann dies eine noch weitere Verstärkung erfahren. Das kann bis zum Kontrollverlust von zumindest einer Partei führen. Maximaler Ärger, maximale Wut, maximaler Schaden. Und maximaler Stress. Unser Gehirn triggert in diesen Situationen nur noch Kampf oder Flucht.

Warum haben wir Ärger so ausführlich besprochen? Gibt es beim Stress nicht auch ein maximales Schadenspotential? Doch! Aber die Aggregation der negativen Stressenergie wird in den meisten Fällen durch Ärger getrieben.

Ärgern Sie sich, aber vermeiden Sie Unversöhnlichkeit!

Ärgern Sie sich, das reinigt die Luft! Sinngemäß.
Es ist eine gute Strategie, das Ärgern zuzulassen und auszuleben. Nach der Entladung stellt sich wieder Balance ein.

Im Absatz vorher wurden die verstärkenden Faktoren genannt. Fügen Sie diese in Ihre persönliche Ärger-Vermeidungsstrategie einfügen. Aber bauen Sie nicht darauf, dass sich Ärger vollkommen vermeiden lässt. Deshalb seien Sie immer zu einer kontrollierten Entladung bereit und halten Sie nicht zurück. Sorgen Sie dafür, dass es zu einer vollkommenen Entladung kommt, auch wenn es ordentlich kracht. Der Schaden eines Zurückhaltens ist um ein Vielfaches höher.

Ein nicht vollständig abgearbeiteter Ärger gären im Untergrund. Mehr als 80% aller Fälle von Dauerstress haben mit unbewältigtem Ärger begonnen. Ziel der Ärger-Entladung ist, sich mit den ärgerauslösenden Faktoren zu versöhnen. Wenn Sie diese Versöhnung anstreben, wirkt sich das umgehend positiv auf ihre innere Balance aus. Genauer gesagt, Sie werten Ihre Work-Life-Balance deutlich auf.

Work-Life-Balance braucht die Befreiungsaktion

Wir haben schon festgestellt, Work-Life-Balance ist keine erweiterte Stundenaufschreibung. Auch der Einfluss von Abgabe und Aufnahme von Energie ist deutlich geworden. Und die Rolle von interner und externer Organisation. Flexibilisierung in Regeln und Normen verändert positiv die Work-Life-Balance. Den achtsamen Umgang mit sich selbst und der Umgebung haben wir auch thematisiert. Überall war Energie das zentrale Element. Und die steht auch beim Ärger- und Stressmanagement im Mittelpunkt.

Ärger und Stress sind starke Energiepole. Ärger ist eine negative Energie. Stress kann positiv oder negativ sein. Egal ob positiv oder negativ, auf Dauer sind beide Zustände schädlich. Sie belasten den Organismus und die Psyche. Schnell abgebaute Stress- und Ärger-Belastungen sind jedoch nicht schädlich. Im Gegenteil! Häufig führen Bewältigungserlebnis zu einem Energieschub.

Eine Befreiung von Belastungen, betrifft zunächst stets den einzelnen Menschen. Das Ergebnis strahlt jedoch auf die Umgebung aus. Befreiende Aktionen haben immer eine positive Wirkung. Diese wird in der Regel aus dem erreichten Konsens gezogen. Ein aufeinander Zugehen durch Auseinandersetzung wird als befreiend empfunden. Aus dieser Empfindung heraus entsteht eine positive Zukunftsvision. Aus Sicht der Organisation kann man sagen, dass es zu einer Flexibilisierung und Neujustierung von Regeln und Normen kam.

Auch wenn im Einzelfall kein Konsens zustande kommt, wird durch den Dissens ein emotionaler Stauen verhindert. Dies ist nicht nur für den Einzelnen wichtig, sondern verändert und begünstigt die Gruppeninteraktion. Ärgermanagement ist gesellschaftlich eine besonders wichtige Funktion, weil in mehr als 2/3 aller Fälle der Ärger im zwischenmenschlichen Bereich entsteht. Ärger und Stressbelastung sind gruppenrelevante Faktoren. Und bezüglich Work-Life-Balance finden wir hier einen entscheidenden Faktor.

Work-Life-Balance ist ein Komplettpaket

Work-Life-Balance ist ein kompliziertes Geflecht. Sie kennen nun einen großen Teil der Einflussfaktoren. Zur Erreichung der Balance, ist die Justierung einiger Positionen notwendig. Fassen wir diese noch einmal zusammen:

Work-Life-Balance aktivieren

  • Stress managen
  • Ärger managen
  • Regeln flexibilisieren und Lebensqualität erhöhen
  • Unabhängigkeit stärken
  • Friede und Freundschaft fördern
  • Selbstverwirklichung voran treiben
  • innere Mitte finden
  • glücklich und zufrieden sein

Was ist davon wichtig?
Alles!

An dieser Stelle scheint die Stärkung der Work-Life-Balance bereits zu scheitern. Nicht alle Punkte können gleichzeitig verwirklichen werden. Eine Unmöglichkeit. Aber eine umfassende Gesamtlösung ist nicht notwendig. Jeder einzelne Punkt ist Work-Life-Balance. Je mehr Punkte im persönlichen Einstellprozess in Balance gebracht werden, um so stabiler ist die Work-Life-Balance. Und hierbei ist es von enormer Tragweite, sich dem Ärger- und Stressmanagent zuzuwenden.

Ein Problem taucht bei der Einrichtung des persönlichen Ärger- und Stressmanagents jedoch auf: Jeder Mensch ist ein anderer Ärger- und Stresstyp. Und da wir uns im Laufe unserer Lebensjahre bereits ein Ärger- und Stresspanzer zugelegt haben, wird man ohne Hilfe selten eine nachhaltige Verhaltensänderung bei diesem Selbstmanagement erreichen können. Deshalb wird hierzu Hilfestellung angeboten.

Ärger und Stress für intakte Work-Life-Balance

Was sonst noch interessiert

Weitere Berichte über Work-Life-Balance

Erster Teil der Artikel-Serie über Work-Life-Balance.
Der zweiter Teil der Serie über Work-Life-Balance befasst sich mit der flexiblen Organisation
Im dritten Teil der Serie geht es um die Energiegewinnung durch Achtsamkeit, als Stütze der Work-Life-Balance.

Wirkung und Auswirkungen

Schützt eine funktionierende Work-Life-Balance vor Burnout?
Alle fließt. Was bedeutet das? Fakten und Hintergründe zum Fluss der Energie.

Analyse und Coaching

Analyse und Online-Coaching zur Stresstypbestimmung und Aufspüren von verborgenen Stressquellen.

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Alle Teile der Serie auf einen Blick: #WLBSerie

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Geboren 1959, Führungkraft seit 1984, Unternehmer seit 2000. Erfolgsverwöhnt und immer in der ersten Reihe, bis ihn 2015 ein Schlaganfall zum Anhalten und Rückbesinnen zwang. Stress, Burnout, keine Balance im Leben. Nach dem Schlaganfall hatte sich sein Leben verändert. Anfängliches Interesse und Ursachenforschung ging in Weiterbildung über. Erkenntnis: Work-Life-Balance richtig angewendet ist nicht nur eine Worthülse.

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