Für Work-Life-Balance achtsam Energie gewinnen

Eine gut funktionierende Work-Life-Balance durch eine achtsam gestaltete Organisation zu aktivieren, klingt esoterisch. Wie verbindet sich das mit dem Ansatz der flexiblen Organisation aus dem vorherigen Serien-Teil?

Achtsam Leben ist wie die Work-Life-Balance zum Modeworten und Megatrend geworden. Oft verwendet und häufig missgedeutet. Passende und unpassende Anwendung der Begriffe hat sich sogar gegen diese Begriffe gewendet. Viele Menschen wollen davon nichts mehr wissen, fühlen sich belästig und bedrängt. Der Stempel des Esoterischen haftet darauf. Es mag sein, dass eine gewisse Überschwänglichkeit der Anhänger der Achtsamkeit diesen (ungewollten) Effekt ausgelöst hat. Woran liegt das? Und was hat das mit Work-Life-Balance zu tun?

Im vorherigen Teil der Serie um die funktionierende Work-Life-Balance habe wir uns um die flexible Organisation gekümmert. Alle Lebensbereiche folgen einer Organisation. Selbstbestimmt oder fremdbestimmt. Ob wir uns mit einer Organisation identifizieren können, hängt vom Grad der Selbstverwirklichung in dieser Organisation ab.

Selbstverwirklichung mit Rücksicht auf die Umgebung

Ein neuer Aspekt taucht auf. Es geht um Selbstverwirklichung und die dabei eingesetzte Rücksicht auf die Umgebung. Auch hier liegt wieder eine Organisation dahinter. Die Selbstverwirklichung hängt untrennbar mit Selbstverantwortung und Selbstvertrauen zusammen, besitzt jedoch große Strahlkraft auf die umgebenden Menschen.

Wer sich selbst verwirklicht, treibt einen Selbstfindungsprozess voran. Mit anderen Worten, er stellt Regeln auf, die sich in der Eigenorganisation niederschlagen und von der Umgebung zu berücksichtigen sind. Dieser Prozess baut das Selbstbewusstsein auf. Das ist kein einmaliger Vorgang, sondern wiederholt sich ständig. Und hierbei spielt die Umgebung eine erhebliche Rolle.

Aus Erfahrung wissen wir, dass manche Selbstverwirklichung für die Umgebung nicht angenehm ist. Mancher Selbstverwirklicher fährt die Ellenbogen aus. Er wird zum Egomanen, zum ich-bezogenen Wesen. Egozentrisch drängt er sich in den Vordergrund. Und, oh Wunder, er scheint damit sogar Erfolg zu haben. Unsere Welt ist voller Egomanen. Diese Ich-Bezogenheit basiert auf einem unreflektierten Umgang mit seinem Umfeld und einer inneren Unausgeglichenheit. Untersuchungen haben ergeben, dass sie mehr als andere Menschen unter disfunktionaler Work-Life-Balance, Stressbelastung oder akuter Burnout-Gefahr leiden.

Zwar stehen disfunktionale Work-Life-Balance, Stressbelastung und Burnout-Gefahr nicht in direkter Verbindung, zeigen sich jedoch gegenseitig beeinflussend. Menschen mit disfunktionaler Work-Life-Balance sind zum Beispiel häufig Auslöser von Stressbelastungen bei anderen Menschen. Oder Menschen mit offensichtlichen Folgen von Dauerstress können zum Auslöser des Burnout bei anderen Menschen werden. Hier wird offensichtlich, dass wir über ein Phänomen reden, dass Einfluss auf den Einzelnen und gleichzeitig auf ganze Gruppen hat. Achtsam im Umgang mit seiner Umgebung zu sein, hat demnach eine erheblich größere Tragweite.

Was bedeutet achtsam in diesem Zusammenhang?

Achtsam sein und die Balance fühlen

Achtsam sein, hört sich zunächst unspektakulär an. Im Wörterbuch finden wir die Synonyme schonend, vorsichtig, sacht, behutsam, sorgsam, schonend, rücksichtsvoll, fürsorglich, zart, liebevoll, verantwortungsbewusst. Machen wir uns einmal deutlich, wie das in der Praxis aussehen kann. Hierzu halten wir im Tagesgeschäft an und schauen tief in uns hinein. Dies kann man auch mit dem Wort Innerhalten bezeichnen.

Bitte nehmen sich sich 2 Minuten Zeit. Ich wechsele das Medium. Folgen Sie meiner Stimme. Halten wir einen Moment inne und schauen was wir in uns sehen.

Sie haben gerade einen Augenblick der Konzentration auf sich selbst erlebt. Das mag wie ein großer Hokuspokus klingen, aber Sie haben gerade das Innehalten erlebt. Dabei haben Sie die Umgebung ohne Beeinflussung wahrgenommen.

Diese Augenblicke stehen jedem Mensch zur Verfügung, immer wieder. Es sind Inseln der Erholung und des Verstehens. Bedarf stehen sie jederzeit zur Verfügung. Wir gehören für einen Moment uns ganz alleine. Wir achten auf uns, wir sind achtsam. Und wir nehmen unsere Umgebung so wahr, wie sie ist. Ein Augenblick der Wahrheit. Gleichzeitig berühren wir im Innehalten eine Quelle unserer Energie.

Das kleine Experiment war Selbstfindung pur. Aus Ihren Erkenntnisse können Sie jetzt beispielsweise eine Problemlösung ableiten oder eine persönliche Umorganisation vornehmen. Wenn Sie dies in Ihre soeben erfahrenen Empfindungen einpassen, handeln Sie bereits achtsam.

Was ich zeigen wollte ist, dass ein achtsam betriebener Selbstfindungsprozess nichts mit Selbstverwirklichung mittels Ellenbogen zu tun hat. Im Gegenteil! Energieschonende Selbstfindung und Selbstverwirklichung beruhen auf Innehalten und achtsam Wahrnehmen unserer Umgebung. Ein Verstehen setzt ein. Nur was wir verstanden haben, können wir in unsere innere Organisation einfügen. Ich sollte ergänzen: Achtsam einfügen. Und ich sollte ergänzen, was energieschonend bedeutet – aber das wird jetzt zu viel auf einmal. Hierzu ergründen wir die Auswirkung auf die Work-Life-Balance.

Achtsamkeit ist ein Kern der Work-Life-Balance

Wer mit seiner Umgebung achtsam, respektvoll und selbstbewusst umgeht, wird von seiner Umwelt ebenso behandelt. Das schöne deutsche Sprichwort, wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es wieder heraus, ist eine kollektive Bestätigung dieser These. Und wir wissen alle, dass wir durch einen achtsam, respektvoll und selbstbewusst Umgang mit unseren Mitmenschen viele Reibungspunkte und Unstimmigkeiten vermeiden. Es geht bestimmt nicht darum, jeden Widerspruch zu vermeiden und ein opportunistisches Leben zu führen. Im Gegenteil, die eigene Meinung ist wichtig! Nur wer seine eigene Position kennt und offensiv vertreten kann, bekommt die Anerkennung in der Gesellschaft. Durch in uns hinein hören und innehalten finden wir die Ausgangsposition dazu.

Alle Facetten des achtsam geführten Lebens zu erklären, ist an dieser Stelle zu viel. Aber Achtsamkeit ist eine interessante Gestaltungskomponente der Work-Life-Balance. In mehrfacher Sicht sogar. Und hier kommen wir auf den Faktor Energie zurück.

Über allem steht die Energie

Alles was wir tun, verbraucht Energie. Manches mehr, manches weniger. Ein Sprichwort sagt, dass manche Menschen immer den leichten Weg gehen. Das Ist nicht bewundernd, sondern abwertend gemeint. Viele große Erfindungen und menschliche Leistungen wären nicht Realität geworden, wenn die (Be)Treibenden immer nur den leichten Weg gegangen wären. Aber eines ist gewiss: Sie haben aus vollen Energiereserven geschöpft, um ihr Ziel zu erreichen. Mir ist nicht bekannt, wie sie das gemacht haben. Ich gehe davon aus, jeder von ihnen hatte ein anderes Rezept, um ihre Energiequellen zu erschließen. Aber eines ist sicher : Ohne Energie bewegt sich nichts. Deshalb ist es für uns wichtig, unsere Energiequellen zu kennen und zu nutzen.

Wenn wir achtsam innehalten, stehen wir am Rand einer mächtigen Quellen. Unsere Suche nach Energie steht mit ungestörtem fließen der Energie in engem Zusammenhang. Das gilt für jeden Einzelnen von uns und für die Gruppen, in denen wir uns bewegen. Blockaden zu überwinden, erfordert Kraftanstrengung und somit vermehrten Energieverbrauch. Ohne Blockaden fließt alles leicht und ohne Energieverlust. Wie gesagt, das gilt für jeden Einzelnen und für Gruppen. Und nur durch Innehalten können wir den aktuellen Fließzustand der Energie erforschen. Die Erkenntnisse, wie Blockaden achtsam beseitigt werden können, ist ein erheblicher Schritt zum guten Energiemanagement. Die Umsetzung ist individuell, weil jeder Mensch an dieser Stelle einen anderen Weg geht.

Energiemanagement? Ein anderer Ausdruck dafür ist Work-Life-Balance.

Achtsam werden – achtsam bleiben

Achtsam denken und handeln ist mehr als die auf die eigene Person bezogene Erschließung von Energiequellen. Und mit Opportunismus und permanenten Kompromissen hat das auch nichts zu tun. Selbstbewusstsein, Gruppenbewusstsein, Respekt, Motivation, Beseitigung von Widerständen und Stärkung der Meinungsbildung sind essenzielle Inhalte der achtsamen Entfaltung. Die Auflistung ist nicht vollständig, aber eine gute Richtschnur. All dies können wir über Innehalten und Bewusstwerdung aktivieren. Wir erreichen damit eine natürliche Justierung der Work-Life-Balance.

Achtsam zu denken und zu Handeln hat Auswirkungen in mehrere Richtungen. Gleichzeitig erkennen wir, dass es sich um verknüpfte Kreise handelt.

Innehalten und sich selbst bewusst zu werden, ankert in unserem Selbstbewusstsein. Achtsamer Umgang mit unserer Umwelt und den uns umgebenden Menschen, sendet positive und respektvolle Botschaften. Diese Botschaften sind Auslöser, dass ähnliche Botschaften zu uns zurück gesendet werden. Dies motiviert und stärkt unser Selbstbewusstsein. Uns umgebende Menschen nehmen diese positive Botschaften auch wahr. So wird auch das Selbstbewusstsein der uns umgebenden Menschen gestärkt.

Der bewusste Umgang mit den eigenen Energiereserven, die Bereitwilligkeit diese voll einzusetzen und der Umgang mit den eigenen Energiequellen, wirkt sich motivierend und anspornend aus. Auf uns selbst und auf die uns umgebenden Menschen. Es geht sogar noch weiter. Die Gruppe fast dies als Vorbild auf. Dies gilt nicht nur als gutes Beispiel, sondern setzt eine positive Grundstimmung. Diese berührt wiederum das Selbstbewusstsein im Einzelnen und motiviert. Und es kommt zu einer Motivation, weiterhin achtsam im Umgang zu sein. Verhaltensforscher haben festgestellt, dass achtsam Handelnde schneller Nachahmer finden, als andere. Das betrifft nahezu alle Handlungen. Achtsamkeit wirkt wie ein Botenstoff, der die Akzeptanz von anderen Handlungen erhöht. Gleichzeitig wird auch die Zufriedenheit mit eigenen Handlungen herauf gesetzt.

Achtsam zu denken und zu handeln zieht weitere Kreise, als zunächst anzunehmen war. In erster Linie bewirkt es, sich selbst positiv einzustimmen, Energie zu schöpfen und für den blockadefreien Fluss zu sorgen. In zweiter Linie nutzen wir die Achtsamkeit in ihrer Auswirkung. Sie zieht schnell Kreise und beeinflusst andere Menschen positiv. Für uns selbst und unserer Umgebung heißt das: Balance und Zufriedenheit.

achtsam Energie gewinnen für Work-Life-Balance

Wie sich Zufriedenheit und Balance auf die Work-Life-Balance des Einzelnen und ganzer Gruppen auswirkt, ist Inhalt des nächsten Teils dieser Serie.

Weitere Berichte über Work-Life-Balance

Erster Teil der Artikel-Serie über Work-Life-Balance.
Der zweiter Teil der Serie über Work-Life-Balance befasst sich mit der flexiblen Organisation
Schützt eine funktionierende Work-Life-Balance vor Burnout?
Alle fließt. Was bedeutet das? Fakten und Hintergründe zum Fluss der Energie.

Workshops

Zukunftsorientiert Workshops finden Sie im Online-Shop unter diesem Link.

Leistungsangebot

Das Leistungsangebot des Business Coach Michael Weyl im Überblick.
Interessante Infos: Was macht ein Business Coach?

Alle Kontaktadressen

Alle Kontakt-Möglichkeiten auf einen Blick.

Büroanschrift

Michael Weyl Business Coach
Ludwigstraße 5b, 38106 Braunschweig
Telefon: 0531 – 2243 6175
info[ät]coach-braunschweig.de

Google Maps

Link zu Google Maps: www.google.de/maps/place/Braunschweig, Ludwigstraße 5b

Fahrpläne öffentlicher Verkehrsmittel

Fahrplan der Bahn: www.fahrplanauskunft.de
Fahrplan der Braunschweiger Straßenbahn: www.verkehr-bs.de

Alle Teile der Serie auf einen Blick: #WLBSerie

Written by

Geboren 1959, Führungkraft seit 1984, Unternehmer seit 2000. Erfolgsverwöhnt und immer in der ersten Reihe, bis ihn 2015 ein Schlaganfall zum Anhalten und Rückbesinnen zwang. Stress, Burnout, keine Balance im Leben. Nach dem Schlaganfall hatte sich sein Leben verändert. Anfängliches Interesse und Ursachenforschung ging in Weiterbildung über. Erkenntnis: Work-Life-Balance richtig angewendet ist nicht nur eine Worthülse.

LEAVE A COMMENT